Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961759
Nicolaus 
VOll 
Basel. 
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kehr, nahmen an den allgemeinen Angelegenheiten und an Pri- 
vatverhältnissen den regsten Antheil, waren stets aufs Beste 
unterrichtet, und hielten sich berufen persönlich einzugreifen. 
Im Jahre 1377 wurde von ihnen Nicolaus und ein anderer 
Bruder an den damals in Rom weilenden Papst geschickt, um 
ihm Vorstellungen zu machen und Rath zu ertheilen. Als das 
Schisma dann Wirklich ausgebrochen war, kamen dreizehn 
Gottesfreuude, angeblich durch gleiche 'l'räume berufen, in einer 
Einöde zusammen, um zu berathen, wobei ihnen in wunderbarer 
YVeise dreijähriges Warten in tiefster Einsamkeit und Schwei- 
gen auferlegt wurde, mit der Aussicht auf eine spätere Wirk- 
samkeit, wenn die Welt sich nicht bessere. Dies war die letzte 
Kunde, welche die Brüder auf dem grünen Wörth von dem 
„lieben grossen Gottesfreunrle im Oberland" erhielten. Er war 
bis dahin ihr steter Rathgeber gewesen; zwar seinen Namen 
und Wohnort wussten sie nicht, zu persönlicher Besprechung 
hinzukommen, hatte er abgelehnt, aber an Briefen und schrift- 
lichen Sendungen liess er es nicht fehlen, nicht blos Ruolman, 
sondern auch der Conthur der Johanniter thaten nichts ohne 
seine Aeusserung, selbst Conrad von Brunsberg, der Ordens- 
lneister in Deutschland, und der bischöfliche Vicar befragten ihn 
in den wichtigsten inneren und äusseren Angelegenheiten. Als 
nun bald darauf Ruolman starb und auf seinem Todbette nur 
angab, dass auch der Bote, Welcher bisher die Briefe überbracht, 
gestorben sei, stellten Bürger von Strassburg, dann auch die 
Johanniter anhaltende, aber vergebliche Nachforschungen nach 
ihm an. VVahrscheinlich Waren die Gottesfreunde nach Ablauf 
jener dreijährigen Wartezeit als Bussprediger, mit einer dem 
verderbten Kirchenregimente ungünstigen 'l'endenz, in die Welt 
gewandert, und daher als Ketzer verfolgt und vertilgt; im Jahre 
1393 wurde zu Köln ein Priester, Martin von Mainz, wegen 
seines ketzerischen Gehorsams gegen Nicolaus von Basel verur- 
theilt, vorher waren schon andere, mit ihm zusammenhängende 
"Amici Dei" in Heidelberg verbrannt, und auch Nicolaus soll, 
113611 einer glaubwürdigen Nachricht, mit zwei Jüngern in Vienne 
in Frankreich gleichen Tod erlitten haben da). 
a) C. Schmidt, Joh. Tauler, S. 237 und 205. 
3 Ü
        

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