Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-966511
Pommern. 
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umfassenden Symbolik der vorigen Epoche, sondern eine spitz- 
{indige Allegorie, welche das Privilegiunl der Geistlichkeit an- 
schaulich machen soll. Aber der Künstler hat so viel Geist und 
Schönheit hierin verwoben, dass er uns alles Anstössige ver- 
gessen macht. Das Ganze ist in flachenl, zartem Relief mit der 
klaren edlen Linienführung des idealen Styls, dabei aber sind die 
Einzelheiten durchaus schon mit feinstem Gefühle und mit be- 
wusster Charakteristik ausgebildet. Das Christkind ist von be- 
wundernswerther Schönheit, die Apostel sind würdige Gestalten, 
die Kirchenväter wahre Kirchenfürsten in zugleich demuthsvoller 
und doch vornehmer Haltung, die das Abendmahl empfangenden 
Geistlichen und Laien mit höchst individuellen Verschiedenheiten 
lebenswahr und interessant dargestellt, und alle dabei mit dem 
Ausdrucke liebensivürdiger Innigkeit. Auch die Farbe ist mit 
einer bei Werken dieser Art ungewöhnlichen Feinheit abgestuft 
und trägt wesentlich zu dem günstigen Eindrücke beiö). DHSS 
diese Vorzüge nicht unveräusserliches Eigenthum der Schule 
waren, zeigen schon die Aussenflügel, auf welchen acht Momente 
der Passionsgeschichte ohne Zweifel gleichzeitig und auch im 
Wesentlichen mit verwandten Motiven, aber viel roher und hand- 
werksmässiger gebildet sind. Aber ebensowenig ist die Schön- 
heit des Mittelschreines völlig vereinzelt, da mehrere andere 
WVerke von ähnlicher Bedeutung und Wie dieses noch im Style 
des vierzehnten Jahrhunderts in dieser Gegend vorkommen. Ein 
Beweis, wie sehr diese Technik hier beliebt war, und zugleich 
ein in seiner Art einziges Monument ist das in der Kirche zu 
Kcnz bei Barth noch bewahrte Grabbild des im Jahre 1405 ver- 
storbenen Herzogs Barnim VI. von Barth, welches in Eichenholz 
geschnitzt und wie gewöhnlich auf einem Kreidegrunde voll- 
ständig bemalt die Gestalt in Lebensgrösse in reicher fürstlicher 
Tracht der Zeit und mit anscheinender Portraitähnlichkeit zeigtgf). 
Ü) Die vortreffliche Herstellung des Werkes durch die Gebrüder Holbein 
(Bildhauer und Maler) zu Berlin gab zugleich den hiesigen Kunstfreunden die 
erwünschte Gelegenheit, es kennen zu lernen. 
"Ü Vergl. Näheres nach der Beschreibung Bartho1d's in seiner Geschichte 
von Pommern und Rügen in dem angeführten Aufsatze im Deutschen Kunstbl. 
1855, S. 56.
        

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