Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-966489
508 
Deutsche 
Malerei. 
dem von einem Laienbruder, dem Cistercienser Ulrich?) ausge- 
führt. Die lebensgrossen Figuren sind gut modellirt, der Aus- 
druck der Jungfrau und des Kindes ist lieblich, der Kopf des 
Bischofs ziemlich individuell, aber die Haltung befangener und 
steifer, die technische Vollendung und der poetische Reiz gerin- 
ger als auf den gleichzeitigen Bildern der Kölner Schule. Bald 
darauf scheint dann aber die Kunst auch hier einen höheren Auf- 
schwung genommen zu haben, wenigstens finden wir nun einen 
Meister, Welcher in den Zügen weicher Anmut-h, Milde und 
Inuigkeit mit den guten Meistern der späteren Kölner Schule 
wetteifert, und zugleich doch manche Eigenthümlichkeiten, eine 
andere Farbenmischung, und besonders auch ein entwickelten-es 
Streben nach Natnrwahrheit zeigt, welches schon auf die Rich- 
tung der späteren schwäbischen Schule hinweist und es begreif- 
lich macht, dass die Eyck'sche Schule gerade hier bald darauf so 
eifrige und glückliche Nachfolger fand. Die Gemälde, in welchen 
wir ihn kennen lernen, Scenen aus dem Leben der h. Magdalena 
darstellend, bilden in der Kirche zu Tiefenbronn, zwischen 
Calwe und Pforzheim, die Flügel eines Schnitzaltars, und der 
Maler nennt sich darauf als Lucas Moser, Maler von Weil, mit 
der Jahreszahl 1431. Es scheint nach dieser Inschrift, dass das 
benachbarte Reichsstädtchen Weil nicht blos seine Heimath, son- 
dern auch sein Wohnort war, indessen ist es doch möglich, dass 
er seine Schule, wie man vermnthet, in Ulm gemacht hat. Be- 
merkenswerth ist endlich, dass er der ausführlichen Inschrift auch 
noch ein Sprüchlein mit einer wehmüthigen Klage über die Ver- 
nachlässigung der Kunst hinzufügt, welche, da sie im Ganzen 
wenigstens gewiss uugegründet und das Ansehen der Kunst im 
Steigen war, nur das wachsende Selbstgefühl der Künstler be- 
weist, das hier also sehr viel stärker war wie in der Kölner 
Schule, wo sie nicht einmal ihren Namen zu nennen liebten M). 
a) Vergl. Grüneisen im Kunstblatt 1840 a. a. 0., und Hotho a. a. O. S. 
458. Der Maler Ulrich wird in der Inschrift ausdrücklich conversus, Laien- 
bruder, genannt; die Vermuthung seiner Identität mit einem Meister Ulrich, 
der 1399 in einer Urkunde in Ulm vorkommt, lässt sich daher nicht aufrecht 
erhalten. 
Waagen II, 234. 
Grüneisen und Hotho a. 
Die Inschriften
        

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