Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-966448
504 
Nürnberger 
Malerschule. 
Gestalten, so die der h. Servatius und Georg in der Lorenzkirche, 
und die der h. Dorninicus und Bernhard an den Pfeilern der 
Frauenkirche Beachtung, weil sie die hiesige Schule von ihrer 
liebenswürdigen Seite zeigen, mit klarer Auflassung, Wohlver- 
standener Gewandung und gesundem Ausdruck; der St. Georg 
in der Goldrüstung mit fast weiblicher Zierlichkeit des blonden 
Lockenkopfes hat selbst einen Anflug von der Poesie der Kölni- 
sehen Paradiesesbilder. Auch auf einem Bilde der Lorenzkirche 
(3. Kapelle rechts) wo auf Goldgrund die Heiligen Laurentius, 
Heinrich und Kunigunde vor dem leidenden Christus stehen, sind 
die Köpfe dieser Heiligen noch sehr lieblich, aber schon in den 
ziemlich steifen und scharf gebrochenen Gewandfalten und noch 
mehr in der harten und mit sichtbarem Anspruch ausgeführten 
Muskulatur des Christuskörpers tritt ein nüchterner Realismus 
stärker hervor. Gleichzeitig, wir dürfen annehmen um 1440 bis 
1450, wählten die Besteller Wohl noch allegorische Gegenstände, 
z. B. die auch sonst Wohl vorkommende aber hier sehr weit aus- 
gesponnene Allegorie des Sakramentes, woChristus die Trau- 
ben in der Kelter tritt und der edle Saft der Kirche zufliesst, die 
durch den Papst auf den von den Thieren der Evangelisten 21:) 
gezogenen Wagen repräsentirt ist; aber die Ausführung ist roh, 
das Gefühl des Malers ist dabei nicht, wie bei jenen idyllischen 
Bildern betheiligt gewesen. Ueberhaupt können wir keine styli- 
stischen Veränderungen Wahrnehmen, bis der Einfluss der Eyck- 
sehen Schule etwa um die Mitte des Jahrhunderts (in dem grossen 
Altarbilde der Löffelholzischen Kapelle in der Sebaldskirche vom 
Jahre 14-53 ist er erkennbar) genauere N aturstudien und eine an- 
dere Richtung erzeugte. 
Ob sich der Einfluss der Nürnberger Schule schon in dieser 
Epoche Weit über das Weichbild der Stadt hinaus erstreckte, ob 
andere Malerschulen von Bedeutung in Franken bestanden, wird 
"Ü Waagen S. 246  und wahrscheinlich nach ihm Hotho S. 482  
nennen irrig Boek und Schaaf als Zugthiere; es sind Löwe und Stier, während 
der Adler auf der Deichsel sitzt und der Engel daneben geht. Auch Bilder 
mit den Marialien in einer dem obenerwähnten Kölnischen Bilde ganz ähnlichen 
Weise kommen in Nürnberg wiederholt vor; so in der Lorenzkirche (erste Ka- 
pelle links] als Epitaphbild von 1462, und dann wieder noch ausführlicher in 
St. Sebald als Gedächtnisstafel des Ulrich Steak, 1' 1478.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.