Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-966421
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Nürnberger 
Malerschufe. 
Sehr nahe verwandt mit diesem Werke ist ein kleiner Altar 
mit Doppeltiügeln in St. Sebald, am ersten Pfeiler vor der Löffel- 
holzischen Kapelle, Stiftung der Hallerischeu Familie. Bei voll- 
ständiger Oeffnung sieht man auf der mittleren Tafel Christus 
am Kreuze mit Maria und Johannes, auf den Flügeln die h. Ca- 
tharina und Barbara, alles auf Goldgrund, dann nach dem Schlusse 
dieser Flügel auf ihrer Rückseite Christus am Oelberge und auf 
den Nebenflügeln zwei heilige Bischöfe, diese unter einem Klee- 
blattbogen auf einfach blauen, ihr Mittelbild auf gleichem, aber 
mit goldnen Blättern gemustcrtem Grunde. Die Köpfe von rund- 
licher Form, fleissig und weich modellirt sind voller Empfindung, 
besonders Maria am Kreuze in der Tiefe ihres Schmerzes. Die 
beiden weiblichen Heiligen sind sehr schön, unter den männlichen 
der h. Erasmus ein sehr verständiges Portrait, aber die Gewän- 
der fallen schwerer und weicher, die Figuren sind auch hier kurz 
und gedrängt, und an dem Christus am Oelberge fällt (wie schon 
an dem der Auferstehung des 'l'uchersehen Altars in der Frauen- 
kirche) die gemeine Gesichtsbildung auf  _ Beide Bilder unter- 
scheiden sich durch gemeinsame Eigenthümlichkeiten von allen 
andern, auch späteren, wohl aber wird von nun an die kurze Kör- 
perform und eine ähnliche mehr realistische Richtung allgemein 
herrschend. Aus der grossen Zahl von Gemälden dieser zweiten 
Generation, welche sich noch in den Nürnberger Kirchen finden, 
nenne ich eine Darstellung des Todes Mariä, in einer Kapelle des 
rechten Seitenschiifes der Lorenzkirche, weil sie etwas weicher 
und zarter gemalt ist und die Eigenthümlichkeit hat, dass die 
Jungfrau nicht auf dem Bette liegt, sondern vor demselben be- 
tend kniet, während der Heiland oben in der Glorie schon die 
kleine bräutlich geschmückte Seele hält ab). Daran wird sich der 
Zeit nach reihen das Epitaphbild der Frau WValburg Prinsterin, 
der Frauenkirche 1385 beibehalten kann. Auch v. Rettberg, im Kunstbl. 1849, 
giebt dieselben Daten und. modificirt dies im "Kunstleben" S. 34 nur dahin, 
dass er diesen Altar in das Ende des vierzehnten Jahrhunderts verlegt. Hotho 
S. 476 hat die im Texte angenommene Meinung ausgesprochen. 
i") Waagen S. 235, und Hotho 477. 
w") Nach Hilpert bei v. Rettberg im Kunstb]. 1849, Gedächtnisstafel der 
Agnes Glockengiesserin.
        

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