Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961740
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Religiöse 
Zustände. 
armt, verlassen, schwer erkrankt, seinen WVillen ganz dem 
Herrn ergab, nun dessen Stimme vernahm, in V erzückmig ver- 
iiel und aus derselben sich neu belebt erhob. Zwanzig Jahre 
später, auf seinem Todtenbette, liess er jenen Laien Wieder zu 
sich rufen, und gab ihm seine Aufzeichnungen über ihren Ver- 
kehr, um daraus, doch ohne ihre Namen, ein Büchlein zum Be- 
sten ihrer Nebenchristen zu machen. Dies ist jene Historie, der 
Laie hiess aber, wie Wir jetzt wissen, Nicolaus und War von 
Basel. Vermögend, geistig und körperlich wohl ausgestattet, 
hatte er schon in früher Jugend, anscheinend ohne äussere Ver- 
anlassung , begonnen, über die Eitelkeit seines bisherigen Trei- 
bens und über den WVeg zur Seligkeit nachzudenken, sich in 
Büchern Baths zu erholen, zu zweifeln und zu ringen, sich Ka- 
steiungeix und Büssungen aufzulegen. Fünf Jahre dauerte dies 
innerliche Kämpfen, bis auch er sich ganz „Gott zu Grunde" 
gelassen hatte. Nun fehlte es ihm nicht an Beseligungen und 
Visionen, er hat oft, wie er sich ausdrückt, in einer Stunde 
mehr Freude gehabt, als alle Ritter zusammen, die nach welt- 
lichen Ehren streben. Froh, dass er der falschen übellolmenden 
WVelt entgangen sei, fühlte er sich gedrungen, allen Menschen 
zu rathen, einen rechten Kehr zu thun und sich zu der Marter 
und dem Tode Christi zu Wenden ab). In dieser Stimmung 
scheint er Weit umhergewandert zu sein; er War in Ungarn, in 
Italien, und kam dann auch, wie oben erwähnt, in Strassburg 
mit Tauler und mit Ruolman Merswin in Berührung. Bis dahin 
stand er noch allein; bald darauf aber trat er mit vier Gleichge- 
sinnten in Verbindung. Sie waren aus sehr verschiedenen V er- 
hältnissen hergekommen, der eine gelehrter Jurist und Domherr, 
ein zweiter getaufter Jude, die beiden anderen schlichte Bürger, 
alle mehr durch innere Anfechtungen und Kämpfe, als durch 
äussere Sünden oder Leiden geprüft, alle wie er durch geheime 
Freuden des heiligen Geistes beseligt. Sie lebten in einsamer 
Gegend in einem von ihnen erbauten Hause, ohne sich einem 
Orden anzuschliessen und ohne bestimmte Regel, ein gemein- 
sames beschauliches Leben. Dabei aber standen sie durch ver- 
traute Boten mit den entfernten Gottesfreunden in stetem Ver- 
a") C- Schmidt, Tauler, S. 228.
        

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