Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-966384
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Nürnberger 
Malersclnule. 
dagegen nach Schlüssen aus den darauf befindlichen Wappen 
um 1420 setzen zu müssen geglaubti"). Diese Schlüsse sind 
indessen zu wenig erwiesen und das Bild einigen unten zu er- 
wähnenden, aus den ersten Jahren des fünfzehnten Jahrhunderts 
datirten zu entschieden vorausgehend, als dass man dieser An- 
nahme beistimmen dürfte, während andererseits auch jene andere 
Bestimmung nicht haltbar, sondern die Wahrheit auch hier in 
der Mitte liegend und das Bild etwa kurz vor 1400 zu setzen 
sein dürfte.  
Sehr merkwürdig ist ein anderes Bild ebenfalls in der L0- 
renzkirche, jetzt an der Sakristeiwantl hängend und wieder eine 
Imhoffsche Stiftung, die Jungfrau mit dem nackten Kinde, fast 
und Alterthum in N." geltend gemachten) vermeintlichen Zusamnienhange mit 
Schonhovefs Sculpturen auch die Rücksicht auf das später zu erwähnende, jetzt 
auf dem Hochaltar der Frauenkirche befindliche Bild, den sogenannten Tuche- 
rischen Altar, bestimmte. Man hielt nämlich damals für erwiesen, dass dies 
letzte Bild vom Jahre 1385 sei; da es aber augenscheinlich einer mehr entwi- 
ckelten und realistischen Kunst angehörte, als der ImhoffscheAltar, konnte 
man für diesen wohl auf eine, etwa 20 Jahre frühere Zeit schliessen. Allein 
jenes Datum von 1385 hatte v. Murr (Beschreibung von Nürnb. S. 330] blos 
aus einer Inschrift gefolgert, welche in der Karthäuserkirche, auf deren Hoch- 
altare das Bild sich ehemals befand, hinter diesem Altare, aber oben am Fan- 
ster stand, dahin lautend: Marquardus Mendel fundavit hoc monasterium A_ 
MCCOLXXXV. Diese Inschrift hatte also mit dem nicht von Mendel, sondem 
von der Familie Tucher gestifteten Altare nichts gemein, bewies für denselben 
nichts, und giebt mithin keinen Anhalt für die Datirung der anderen Nürn- 
berger Bilder. 
Ü Sowohl Passavairt (im Kunstbl. 1846) wie v. Rettberg sind bei dieser 
Annahme wohl nur durch die Angaben des Pfarrers Bilpert geleitet, welcher 
in der Voraussetzung, dass Kunz Imhotf (T 1449) der Stifter sei, darauf die 
Wappen seiner drei ersten Frauen, namentlich auch der im Jahre 1418 mit 
ihm vermälten, nicht aber das der vierten, einer Volkammer, mit der er 1422 
getraut wurde, darauf zu finden glaubt, wonach das Bild zwischen 1418 und 
1422 entstanden sein müsste. Der ganze Beweis scheint höchst unzuverlässig; 
es steht vorläufig weder fest, dass dieser Kunz und nicht ein anderer Imhotf, 
der Stifter gewesen, noch dass er vier Frauen gehabt habe, indem, wie Herr 
v. Rettberg selbst bemerkt, der Niirnbergische Genealoge Biedermann nur 
von zwei Frauen weiss. Ueberdies erscheinen die vier Familienglieder auf dem 
Bilde so jung, dass man sie eher für Geschwister halten möchte, und endlich 
sind Schlüsse aus den Wappen bei den so oft vorkommenden Verschwägerungen 
dieser Patricierfamilien höchst unsicher.
        

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