Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-966348
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Nürnberger 
Malerschule. 
Propheten und Apostel mit moralischen Denksprüchen in deut- 
scher Sprache dargestellt sind, ist noch vollkommen in den 
Schwächen des bisherigen Styls befangen. Die Gestalten sind 
mit sehr bewegten, nicht ausdruckslosen Geberden, namentlich 
der übergrossen Hände, mit bedeutungsvollen aber sehr grellen 
Mienen gegeben, dabei aber noch ganz ohne Gefühl für den Kör- 
perbau, übermässig schlank und mit unruhig ineinanderfliessen- 
den Gewandlinien. Bald darauf aber, als in ganz Deutschland 
aus allgemeinen Ursachen ein grösseres Begehren nach Tafel- 
malereien entstand und sich an die Mittelpunkte gewerblicher 
'l'hätigkeit wendete, bildete sich auch hier eine blühende Maler- 
schule, deren Werke in den Nürnberger Kirchen noch in ziem- 
lieh beträchtlicher Zahl erhalten sind. Die ältesten derselben 
scheinen indessen nicht früher als gegen 1400 entstanden zu sein, 
mithin viel später als jene Sculpturen, mit denen sie auch nur in 
entfernter Verwandtschaft stehen  
Eine Abhängigkeit dieser Nürnberger von andern deutschen 
Malerschulen ist nicht anzunehmen; mit der Prager hat sie die 
ins Bräunliche spielende Farbe, aber weder die Körperbildung 
noch die geistige Richtung gemein. Näher steht sie der Kölni- 
sehen; sie arbeitet mit einem ähnlich flüssigen Bindemittel, theilt 
die ideale religiöse Richtung im Allgemeinen, und geht allmälig 
wie jene von schlankeren zu kürzeren und volleren Verhältnissen 
über. Aber sie thut dies Alles in etwas anderer Weise; sie bringt 
gleich anfangs ein bestimmtes Bewusstsein des Körperbaues, 
wohl als die Errungenschaft jener plastischen Schule mit, sie 
malt auch mit schwereren Farbentöneir, kann sich daher den 
Ideen von überirdischer Reinheit und Schönheit nicht so unbe- 
diugt hingeben wie Meister Wilhelm und hat gleich anfangs eine 
grössere realistische Wahrheit und Nüchternheit, die ihr auch 
 Bei näherer Kenntniss mittelalterlicher Kunst erscheint die Ueberein- 
Stimmung gewisser Gemälde mit den Seulpturen der Frauenkirche, auf welche 
man früher chronologische Schlüsse baute, keinesweges so gross, wie man da- 
mals annahm, und es ist nur soviel zuzugeben, dass die Richtung, welche die 
Plastik durch Schonhover und seine Schüler genommen, in ihrem Gegensatze 
gegen die mehr malerische Weise der Kölner Schule sich in Nürnberg festge- 
setzt und auch auf die erst später sich entwickelnde Malerei einen Einfluss 
ausgeübt hat.
        

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