Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-966259
Sbisco 
V01] 
Trotina. 
485 
Brünn, Wahrscheinlich von 1360  eine böhmische Bibel in der 
Bibliothek zu Ollmütz, ein Pontificalc Bischofs Albert von Leu- 
tomischl vom Jahre 1373 in der Bibliothek des Klosters Strahow 
und endlich in der Universitätsbibliothek in'Prag die achtzehn 
Initialenbilder, mit welchen ein gewisser Thomas von Stitny ein 
für seine Kinder in böhmischer Sprache geschriebenes Lehrbuch 
verzieren liess, und die zwar nicht die sorgfältige Ausführung 
jener Prachtwerke haben, aber gerade in ihrer leichteren Behand- 
lung lmd bei der [Tngewöhnlichkeit ihrer genreartigen Gegen- 
stände ein kräftiges Zeugniss für die Sicherheit der Zeichnung, 
die Erfindungsgabe und den Schönheitssiim der böhmischen 
Schule ablegen. Man hat die V ermuthung aufgestellt, dass Kai- 
ser Karl, der ja in Paris erzogen War und mit Frankreich in 
engster Verbindung stand, seine böhmischen Maler in Prag oder 
in Paris durch französische Miniatoreir unterrichten lassen; allein 
es bedarf dieser Annahme nicht, da wir diesen Kunstzweig schon 
früher in Böhmen blühend fanden. Allerdings haben diese Mi- 
niaturen einen höheren Grad der Ausbildung als die grösseren 
Bilder der böhmischen Schule, allein das ist auf dieser Stufe der 
Kunst sehr wohl erklärbar und nöthigt nicht zur Annahme eines 
fremden Einflusses. 
Zwei grosse Miniaturwerke endlich zeigen die böhmische 
Schule auf dem höchsten Punkte ihrer Entwickelung; eine deut- 
sche Bibel für Kaiser Wenzel in sechs Foliobänden, von denen 
jedoch nur die beiden ersten ihren malerischen Schmuck vollstän- 
dig erhalten haben, und ein Missale für den Erzbischof von Prag 
Sbinco Hasen von Ilasenberg, jene in den letzten Jahren des vier- 
zehnten, dieses in den ersten des fünfzehnten Jahrhunderts 
(1402-141 l) geschrieben, beide in der Kaiserlichen Bibliothek 
zu Wien bewahrt und mit Vignetten, Initialen und Randverzie- 
rungen aufs Reichste geschmückt die). Wir sehen hier in der 
a") Passavant S. 197. 
M) Dibdin, a bibliographical tour, III, 462, mit Abbildungen aus der 
Bibel; Waagen a. a. 0., S. 298; Passavant a. a. 0., S. 200. Kaiser Wenzel 
soll der Sage nach im Jahre 1393 bei einem Aufstande der Altstadt Prag 
durch eine Bademagd gerettet worden sein, und hierauf scheint in jener Bibel 
die wiederholte Darstellung des Kaisers im Bade und von zwei halbbekleideten 
Mädchen bedient, anzuspielen, die allerdings in der Bibel besonders auffallend ist.
        

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