Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-966249
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Die 
Schule 
VOII 
Prag. 
Neben der Tafelmalerei stand auch jetzt die Miniatur-ma- 
lerei noch in hoher Blüthe, und namentlich lernen wir hier einen 
Künstler kennen, der in diesem Kunstzweige keinem seiner Zeit- 
genossen nachsteht, Sbisco von Trotina, Wie er sich in zwei auf 
uns gekommenen Handschriften und zwar auf den Bildern selbst 
als deren Maler nennt. Beide Codices werden in der Bibliothek 
des Vaterländischen Museums zu Prag bewahrt und sind für Per- 
sonen gefertigt, deren Lebenszeit das Datum der Arbeit feststellt. 
Der eine, ein Mariale für Erzbischof Ernst von Prag  1350] 
enthält nur zwei Blätter, die Darstellung im Tempel und die Ver- 
kündigung, aber mit Figuren von sechs Zoll Höhe und dabei 
von seltener Schönheit und Innigkeit. Der andere, ein s. g. Liber 
viatieus mit dem Namen des Bischofs Johann von Leutomischl, 
kaiserlichen Kanzlers, auf jedem Blatte bezeichnet, etwa um 1360 
ausgeführt, hat zwar nicht so grosse Bilder, dafür aber in den 
Initialen einen Schatz von kleinen, kostbar in Deckfarben ausge- 
führten Malereien und am Rande einzelne Figuren in anmuthig- 
ster Zeichnung." Man entdeckt auch hier die Eigenthümlichkeiten 
der böhmischen Schule, namentlich das vollere Rund der Köpfe, 
aber doch sind die Verhältnisse länger, die Bewegungen und der 
Ausdruck sehr viel besser gelungen und besonders ist die Har- 
monie der Farben so schön, dass sie kaum von den Miniaturen 
der Eyckäschm Schule übertroffen wird. Die Tüchtigkeit der 
Böhmen in diesem Kunstzweige bewährt sich denn auch in zahl- 
reichen Arbeiten anderer Hand, wenn sie auch denen des Sbiseo 
nachstehen; so in einem andern Gebetbuche desselben Erzbischofs 
Ernst in der Bibliothek des Fürsten Lobkowitz in Pragät), in 
zwei Manuscripten des Domschatzes daselbst, einem Missale von 
einem gewissen Peter Brzuehaty gemalt und einem mystischen 
Commentar der Apokalypse von Wenzel Dortina mit zwar farb- 
losen, aber äusserst geistreichen Zeichnungen  Dazu kom- 
men dann das s. g. Missale Ollomucensis im Stadtarchive zu 
Ü Nur von Waagen a. a. 0. erwähnt; bei meiner Anwesenheit und viel- 
leicht auch bei Passavanifs, da auch dieser es nicht nennt, konnte es nicht auf- 
gefunden werden. 
Weder von Waagen noch von Passavant genannt.
        

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