Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-966229
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Die 
Schule 
V01] 
Prag' 
den dagegen die Wandmalereien in den Fenstertiefen der Kreuz- 
kapelle aus der Jugendgeschichte des Erlösers und wiederum 
aus der Apokalypse angehören, da das Wort: pictura solemuis, 
welches der Kaiser in der angeführten Urkunde mit Erwähnung 
dieser Kapelle braucht, nur auf diese Bilder passt; ebenso werden 
die Porträtbilder des Kaisers in der Himmelfahrtskirche, in Wel- 
chen er in verschiedenen Epochen seines Lebens, mit seiner 
ersten schon 1348 gestorbenen Gemahlin und mit seinem erst 
1361 gebornen und hier schon zwölfjährigem Sohne WVenzel 
erscheint, von diesem seinem vieljährigen Hofmaler herrühren. 
Diesen gleichen dann die 'l'afelbilder dieser und der andern Ka- 
pellen insoweit, dass sie wo nicht von ihm selbst doch von sei- 
nen Schülern gemalt sein werden. Zwei der besseren dieser 
Bilder, die Kirchenväter Ambrosius und Augustinus, sind in das 
Belvedere zu Wien gelangt. Auch in der Wenzelskapelle des 
Doms sind abgesehen von den obern, im Style der Cranachschen 
Schule erneuerten unten noch Wandgemälde aus der Zeit Karls 
und in der Weise des Theoderich erhalten. 
Das Gemeinsame aller dieser Bilder ist eine eigenthümlich 
schwere und derbe Körperbililung, kurze Verhältnisse, grosse 
Köpfe, runde Gesichter mit breiten Nasenrücken und weitgeöff. 
neten Augen, naturgemäss bewegte Hände, aber plumpe Füsse 
und breit behandelte Gewänder mit einer Einfarhheit des Falten- 
Wurfs, die bei grossen und ganzen Figuren dürftig erscheint. 
Feinere Modellirung muss man bei diesem Meister nicht suchen, 
und der momentane Ausdruck ist schwach und unbestimmt. 
Aber eben jene schwere Gesichtsbildung in Verbindung mit der 
einfachen, in den Schatten schwärzlich grauen Farbenbehandluug, 
giebt seinen Gestalten eine gewisse derbe Grossarligkeit und 
Würde, ja sogar eine Art idealer Schönheit, welche imponirt, 
und es begreiflich macht, dass der Kaiser grade an diesem Style 
Gefallen fand. Wie lange Theoderich gelebt, ist unbekannt; ein 
kleines Tafelbild aus der Decanatkirche zu Raudnitz, jetzt in der 
ständischen Sammlung zu Prag, Welches in seiner untern Hälfte 
einen Erzbischof nebst mehreren Heiligen, oben aber vor der 
Jungfrau kniend den Kaiser Karl und seinen Sohn König Wen- 
zel schon in erwachsenem Alter zeigt, und daher nicht vor 1379
        

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