Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-966209
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Die 
Schule 
VOR 
Prag" 
Thomas de Mutina (aus Modena), welche theils noch jetzt in 
Karlstein geblieben, theils von da in die Sammlung im Belvedere 
zu Wien übergegangen sind, sind Tafelgemälde, welche, wie man 
vermuthet hat, auch von Karl IV. auf seinem Römerzuge 1354 
und 1355 in Italien erworben llllll mitgebracht sein können. 
Indessen abgesehen von der Unwahrscheinlichkeit, dass der 
Kaiser Bilder dieses wenig bedeutenden Künstlers 1') des Mit- 
bringens gewürdigt habe, finden sich in den Kirchen Prags meh- 
rere dem XIV. Jahrhundert angehörige Tafelgemälde entschieden 
italienischen Ursprungs oder doch Einflusses M), und endlich 
trägt ein grosser Theil der ausgedehnten Wandgemälde im 
Kreuzgange des Klosters Emmaus, welche ungeachtet der wie- 
derholten und inschriftlich erwähnten Uebermalung zum Theil 
noch sehr wohl die ursprüngliche Anlage erkennen lassen, wie 
mir scheint unverkennbar die Züge der Schule Giottds, nament- 
lich in der ihr eigenthiimlichen Gewandbehandlung via). Da die- 
ser Kreuzgang, vielleicht das umfassendste Werk der Wand- 
malerei diesseits der Alpen, auf seinen vier Seiten zusammen 26 
grosse Wandfelder, jedes meistens mit drei Bildern, einer neu- 
testamentarischen Scene und zwei alttestamentarischen Parallelen, 
enthält, so versteht sich von selbst, dass viele Hände daran be- 
schäftigt gewesen, und dass die italienischen Meister einhei- 
mische Gehülfen zuziehen mussten. Dadurch erklärt sich, dass 
sich mit jenen italienischen Zügen auch andere mischen, die wir 
bei den durchweg etwas spätem böhmischen Malereien wieder 
Gemälde bezeichnet haben; auch galt er an Karls Hofe nicht als Künstler und, 
wird in einer Urkunde des Kaisers nur: nostrae Imperialis aulae commen- 
salis genannt. 
 Er ist giottesker Schule und wir kennen von ihm eine Wandmalerei 
in Treviso vom Jahre 1352. 
"Ü So die Vera Jcon im Dome, die schöne Madonna in der Kirche auf 
dem Wissehrad, eine andere in St.Adalbert. Auch die Kreuzigung in der 
Emmaus-Kirche scheint zwar nicht von einem Italiener, wohl aber von einem 
einheimischen Schüler italienischer Maler herzurühren. 
"Ü Ich stehe mit dieser Ansicht allein, da Kugler (kl. Schr. II, 494), 
Förster (Gesch. d. d. K. I, 188 B1] und Hotho dieser grossartigen Gemälde 
nicht gedenken, Dr. Springer (Organ i chr. Kunst 1854, Nro. 9 und 10) nur 
eine anziehende Schilderung des Inhalts der Darstellung giebt, Passavaut aber 
S. 207 nur die Züge der böhmischen Schule darin beobachtet hat.
        

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