Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-966165
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Die 
Schule 
VOII 
Prlig 
über die Person des Ritters nicht im Zweifel sein könne, ist der 
Parabel auf einem besonderen Blatte der Wappenschild des Rit- 
ters mit den Marterwerkzeugen Christi vorausgeschickt , auch 
folgt nun als Auslegung derselben die Heils- und Passionsge- 
schichte, die mit der Krönung Mariä schliesst. Hinzugefügt ist 
dann aber, und zwar wie wir aus dem Epilog des Frater Colda 
ersehen, erst 1314, ein zweites Werk desselben, von den himm- 
lischen Wohnungen (de mansionibus celestibns), welches ebenso 
wie alles Vorhergegangene von Benessius und zwar mit stei- 
gendem Gelingen malerisch illustrirt ist. Die Compositionen neh- 
men bald ganze Seiten bald nur grössere oder geringere Theile 
derselben ein, und sind mit der Feder gezeichnet und leicht c0lo- 
rirt, so dass die Weisse des Pergamentes die Lichter giebt. In 
Beziehung auf correcte Zeichnung und Verständniss des Körpers 
stehen sie auf derselben Stufe wie die anderen gleichzeitigen Mi- 
niatureu und wie die ersten Kölner Malereien; auch hier schlanke 
Gestalten mit zu kurzen Armen und langen Händen, lange, sanft 
geschwungene, die Füsse bedeckende Gewandliirien. In der 
Eleganz weicher, gefälliger Haltung können sie mit den franzö- 
sischen und selbst mit anderen deutschen Arbeiten nicht Wett- 
eifern; die Details der Gewandung und selbst der Gesichter sind 
mehr gehäuft, die Bewegungen härter, die Züge durch den über- 
triebenen Ausdruck fast verzerrt. Aber diese Mängel entstehen 
augenscheinlich nur durch die Gefühlstiefe und den moralischen 
Ernst eines Malers, der mit der hergebrachten Form ringt und 
sich nicht genügen kann, und hindern uns nicht, eine Grossartig- 
keit der Auffassung, eine Feinheit des Sinnes und namentlich eine 
Schönheit der Linien zu erkennen, wie sie kein anderes gleich- 
zeitiges Werk in diesem Maasse bietet. 
Freilich dürfen wir aber nach dieser ausgezeichneten Lei- 
stung in einem mehr dilettantischen Kunstzweige noch nicht auf 
einen entsprechenden Aufschwung der höheren Kunst in der 
böhmischen Schule um diese Zeit schliessen. Die einzige Wand- 
 Die Ueberschrift des Wappenbildes verkündet den Ritter etwa wie beim 
Aufreiterl im Turniere: Hic est clipeus arma et insignia invictissimi militis, 
qui cognominatlzs est Victor, cum quinque vulneribus, fultus laneea, decora- 
tusque corona.
        

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