Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-966123
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Westphälische 
Kunst. 
gel enthalten die Verkündigung und die Anbetung der Könige, 
diese wieder ebenso belebt wie das Hauptbild; das nackte Kind 
auf dem Schoosse ist in lebendigster, aber graciöser Haltung, von 
kühner und schöner Zeichnung. indem es mit dem linken Arm 
spielend in den von dem einen der Könige gehaltenen goldenen 
Becher hineingreift, während die beiden anderen Könige der eine 
den rechten Arm, der andere das Füsschen kniend küssen, so 
dass an dem Kinde Ober- und Llnterkörper in entgegengesetztem 
Sinne gewendet sind, was angenehm bewegte Linien bildetüi). 
Ganz enge mit diesem Bilde zusammenhängend sind einige 
neuerlich restaurirte und wieder am Hochaltare angebrachte, ur- 
sprünglich zu einem grösseren Altarwerke gehörige Gemälde in 
der Marienkirche in Dortmund, die Geburt, die Anbetung 
der Könige und den Tod der Maria darstellend. Namentlich ist 
diese letzte Darstellung entschieden aus jenem ebenerwähnten 
Bilde entlehnt; fast alle Figuren entsprechen demselben, nur dass 
die Stellung des Bettes und daher die ganze Anordnung des 
engeren Baumes wegen schräger gehalten ist. Ebenso verhält es 
sich mit der Anbetung der Könige, jene kühne Lage des Kindes 
und sein Verhalten zu den Königen, auch die Zeichnung in den 
Details, die weiche Sehattirtuig und Modellirung gleichen sich 
völlig, nur dass die Jungfrau hier nicht den auffallend kleinen 
Mund hat, dass ihr 'l'hroi1 und die golddurcluvirkten Gewänder 
der Könige reicher sind und überhaupt die Zeichnung etwas 
vollendeter und von grösserer Anmuth ist, wozu denn freilich auch 
die gelungene Restauration etwas beigetragen haben mag. Es 
wird daher die Arbeit entweder desselben, hier weiter fortge- 
schrittenen, oder eines jüngeren Meisters und nicht viel später 
entstanden sein, als die Stiftung des Propstes Blankenberch, was 
denn auch durch die auf uns gekommene Nachricht von der im 
Jahre 1431 erfolgten Einweihung von vier Altären in dieser 
Kirche bestätigt wird M). Auf einem dieser Altäre mag dann 
Ü Vergl. auch Waagen (D. K. B1. 1850, S. 308), welcher dies Bild bei 
seiner provisorischen Aufstellung in der Wiesenkirche sah. 
i") Becker im K. B]. 1843, S. 369. Lübke S. 341 ist anderer Meinung 
und betrachtet das Blankenberchsche Bild, wie mich dünkt, mit zu ungünsti- 
gen Augen.
        

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