Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961711
Meister 
Eckhardt. 
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Es ist begreiflich, dass diese Schilderung des Verhältnisses 
der Seele zu Gott leicht in einem pantheistischen urrchristlichen 
Sinne aufgefasst werden konnte. Eckhardt wurde daher ange- 
griffen und suchte das Aergerniss durch einen freilich sehr all- 
gemein gefassten, aber feierlich in der Dominicanerkirche zu 
Köln im Jahre 1327 abgegebenen Widerruf aller ettvanigen, in! 
seinen Schriften enthaltenen Irrthiimer zu heben St), ohne da- 
durch zu verhindern, dass eine Reihe ihm zugeschriebener Sätze 
durch eine, jedoch erst nach seinem Tode (1329) erlassene Bulle 
verdammt wurde. Doch sehadete dieses Urtheil seinem Ansehen 
nicht, die grosse Zahl handschriftlicher Sammlungen seiner 
Predigten und Schriften giebt davon Zeugniss; Tauler führt ihn 
wiederholt an, Suso bekennt sich als seinen Schüler, und die 
meisten Mystiker dieses Jahrhunderts sprechen so sehr seine 
Sprache, dass sie notlwvexidig von ihm oder von seinen Schülern 
oder Studiengenossen gelernt haben müssen. 
Auf diese erste Generation, welche die Mystik noch in spe- 
culativer Ursprünglichkeit entwickelt, folgt dann eine zweite, 
welche sie in praktischer Ausbildung und Anwendung zeigt. 
Und gerade von dieser besitzen wir nicht nur Predigten und 
theoretische Schriften, sondern auch Briefsammlungen und Le- 
bensbeschreibungen von eigener oder befreundeter Hand, die uns 
so tiefe Einblicke in die Gefühls- und Denkungsweise des Jahr- 
hunderts gestatten, wie nichts Anderes. Besonders gilt dies 
von einem Kreise oberrheinischer Gottesfreunde, in Strassburg 
und in der Gegend von Basel, dem mehrere namhafte Persön- 
lichkeiten angehörten. Die bekannteste und bedeutendste unter 
ihnen ist der Dominicaner Johann Tauler, der in Strassburg, 
wo er etwa 1290 geboren war und 1361 starb, lange Jahre hin- 
durch wirkte, und dessen Predigten durch ihre tiefsinnige Fröm- 
migkeit und sittliche Reinheit seitdem viele Seelen erweckt 
haben. Neben ihm ist dann Ruolman Merswin zu nennen, 
ein reicher Kaufmann aus angesehenem strassburgischen Ge- 
schlechte, der im Jahre 1347, etwa vierzig Jahre alt, mit Zu- 
stimmung seiner kinderlosen Ehefrau der Welt und seinen Ge- 
schäften entsagte und nun ein Leben der Entbehrung und Ka- 
f] Pfeiffer a. a. O. II, S. XIV.
        

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