Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-966115
Tafaügemälde. 
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Sehr ähnlichen Styls sind die, auch aus der Gegend von 
Bielefeld stammenden zusnmmengehörigen sechs 'l'afe]n, welche 
jede mit drei Bildern die Heilsgeschichte von der Schöpfung bis 
zum Gerichte darstellen, ebenfalls aus der Krügersc-hen Samm- 
lung und jetzt in LondonfF). Auch die Apostel auf der Predella 
des übrigens jüngeren Hauptaltarbiltles in der Marienkirche zu 
Dortmund sind ähnlich. 
Die meisten anderen west-phälischen Tafeln sind jünger. 
Eine derselben, welche wie die oben erwähnten aus dem St. Wal- 
burgiskloster in Soest in das Provinzialmuseum zu Münster ge- 
langt ist, hat den Vorzug eines ziemlich sicheren Datums, indem 
sie das Bild und den Namen des Propstes Johannes Blankenberch 
enthält, der in Urkunden von 1422 bis 1443 als solcher vor- 
kommtiik), und hier jung, also wohl im Anfange dieser Zeit ge- 
malt ist. Es bildet einen grösseren Flügelaltar, fast fünf Fuss 
hoch, im Ganzen über zwölf Fuss breit. Auf dem Mittelbilde 
ist der Tod Mariä in belebter figureureicher Darstellung. Die 
Jungfrau liegt unter der goldgestickten Decke leicht hingestreckt, 
ihr Haupt von sieben Engeln umgeben, neben dem Bette sitzt auf 
der Erde Magdalena mit etwas grossem Kopfe, hoher Stirn, klei- 
nem Munde, sehr schlanker Taille und der VVelleillinie im Wurfe 
des Mantels, welche das Futter zeigt. Neben und hinter dem 
Bett sind die Apostel mannigfaltig beschäftigt, einer von ihnen 
mit schwarzer Kapuze und greisem Bart liest mit vorgehaltener 
Brille und gebücktem Rücken aus einer Rolle, ein anderer, der 
ein Buch aufgeschlagen hat, in welchem wir die Worte erken- 
nen: Miserere mei deus, muss erst die thränenden Augen trock- 
nen, eindritter reicht das Weihwasser hin, mit welchem Jo- 
hannes den Finger der Sterbenden benetzt, während ein vierter 
mit aufgeblasenen Backen in das Ranchfass bläst. Man sieht, es 
sind genreartige Motive, dabei aber ist die Ausführung noch.sehi' 
zart und im Sinne der idealen Schule; ltlaria blond und schlank, 
in jugendlicher Anmuth, liegt in weichster Biegung, auch die 
anderen Gestalten haben noch den Schwung der Linie und die 
lichte zarte Färbung der älteren Kölnisehen Generation. Die Flü- 
 Vergl. Förster a. a. 0. und Hotho a. a. O., S._ 281.    
 m") Nach der Ermittelung von C. Becker im K, B]. 1843, Nr. S9.  

        

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