Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965978
Meister 
Stephan. 
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meinsam ist, gehört viel zu sehr der ganzen Zeitrichtung an, als 
dass er nach Köln aus flandrischen Werkstätten zu kommen 
brauchte. Es scheint mir daher noch immer Wahrscheinlich, dass 
das Dombild selbst bald nach 1426 entstanden. Freilich erhielt 
sich dann aber die Herrschaft des dadurch begründeten Styles 
noch lange Jahre, so dass sie erst um 1450 speciellen flandri- 
sehen Einflüssen zu weichen begann und sich noch später in ein- 
zelnen Nachklängen verfolgen lässt. 
Von den anderen Werken, welche man ohne urkundlichen 
Beweis nach dem Stylgefühl dem Meister des Dombildes zuge- 
schrieben hat, gehört ihm keines gewisser an, als das kleine rei- 
zende Gemälde, welches Herr von Plerwegh dem Kölner Museum 
geschenkt hat, die Jungfrau im Roseii-hag. Es gehört in 
die Gattung jener Darstellungen, die ich oben Paradiesesbilder 
nannte; auf blumenreicher Wiese sitzt Maria im blauen Ge- 
wande, die Krone auf dem Haupte, eine reiche Agraffe auf der 
Brust, das Christkind auf dem Schoosse, umgeben von lieblichen 
kleinen Engeln, von denen zwei Zither und Orgel spielen, andere 
Blumen pflücken oder dem Christkinde Aepfel reichen, während 
hoch oben im Goldgrunde Gott Vater segnend herunterblickt, 
die Taube des h. Geistes herabschwebt. Das kleine Bild (es hat 
nur etwa 13h Fuss Höhe und 11h, Fuss Breite) ist ziemlich gut 
erhalten und zeigt in der ganzen Behandlung eine unverkennbare 
Uebereinstimmung mit dem Dombilde. Maria hat im Wesent- 
Passion und anderer Kölner oder des älteren Friedrich Herlen mit dem Dom- 
bilde um zu üihlen, dass wir uns bei diesem in einer ganz anderen Sphäre 
befinden. Es ist freilich wahrscheinlich, dass der kölnische Meister, als er 
1426 oder später die Bestellung des Domhildes erhielt, von Hubert van Eyck, 
der in demselben Jahre zu Gent sechszigjährig verstorben war, gehört hatte, 
und es mag sein, dass die Kunde der Naturwahrheit und Farbenpracht der 
flandrischen Schule ihn anspornte Aehnliches zu erreichen. Aber dieser ent- 
fernte Einüuss ist nicht zu verwechseln mit dem technischen, jener wirkt 
rasch, dieser langsam. Waagen legt besonderes Gewicht auf die brüchigen 
Falten, deren erstes datirtes Beispiel in der flandrisehen Schule er auf einem 
Eyckschen Bilde von 142i in der Sammlung des Herzogs von Devonshire 
fand. Allein die Brüche im Faltenwurfe des Dombildmeisters sind von denen 
der Brüder van Eyck verschieden und das Brüchige an und für sich ist nur 
die Folge eines beginnenden Naturalismus, der durch die Entwickelung der 
Kunst und des Zeitgeistes überall entstehen musste.
        

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