Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965958
Meister 
Stephan 
u u d 
seine 
Zeitgenossen. 
455 
fahren, auch für sich erbittet, und der mit einer Jahreszahl 
schliesst, die zwar durch den Umschlag der Rolle etwas verdeckt 
ist, aber doch unzweifelhaft 1447 lautet da). Allein das Bild ist 
auch zuverlässig nicht von Meister Stephan und wahrscheinlich 
nicht unbedeutend später als das Dombild. Es hat Rlanches mit 
diesem gemein, aber fast nur das Weiche und Zarte, nicht das 
Kräftige und Ideale. Die Färbung ist durchweg lichter, die 
Gruppirung mannigfaltiger, die Gewandbchandlung leichter, die 
Modellirung mehr ausgeführt, die Ausstattung des Altars, wel- 
chen der Meister dem Tempel zu geben für gut fand, mit Gold- 
reliefs (oben Moses, am Antependium Abrahams Opfer) fast 
überladen, der Ausdruck der Männer ziemlich spiessbiirgerlich; 
Joseph endlich, der mit der Hand in seiner Geldtasche das Opfer- 
geld überzählt und dabei schmerzlich dreinblickt, ist. eine genre- 
artige Figur, wie wir sie dem Dombildmeister nicht wohl zu- 
trauen können. VVir sind schon ganz aus dem Kreise idealer 
Denkweise heraus, Welcher Meister Stephan noch angehört. Eine 
Darstellung desselben Gegenstandes, ehemals iu der Lyversber- 
gischen Sammlung, jetzt im Besitze des Herrn Hörster in Frank- 
furt a. M., ist so ähnlich, dass sie notlnvenrlig in directem Zu- 
sammenhange mit jenem Darmstädter Bilde stehen muss, wäh- 
rend sie in ihrer besseren Ausführung unzweifelhaft jünger er- 
scheint, wie das Dombild. 
Endlich kommt noeh ein kleines Gebetbuch in niederdeut- 
scher Sprache in Betracht, welches ebenfalls zu Darmstadt in der 
grosshcrzogliehen Bibliothek bewahrt wird, und eine grosse Zahl 
reizend ausgeführter Miniaturen enthält, deren Figürchen in ihren 
Bewegungen, in der Rundung der Köpfe und der Weichheit der 
Modellirung ganz entschieden an den Dombildmeister erinneren. 
Das am Schlnsse ohne XVeiteres den Gebeten in anderer Tinte 
beigeschriebene Datum: Anno salutis nr. MCCCCLIII ist zwar 
offenbar später hinzugefügt und an sich nicht zu einem Beweise 
geeignet; da indessen der ewige Kalender und die Ostertufel mit 
dem Jahre 1451 beginnen und die feinen landschaftlichen Hinter- 
m] Nur Förster hat mit augenscheinlichem Irrthum 1407 gelesen, und das 
von ihm a. a. O. gegebene Facsimile ist, wie auch ich mich an Ort und Stelle 
überzeugt habe, nicht richtig. Vergl. Waagen und Merlo a. a. O.
        

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