Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965937
Die 
Madonna 
des 
Priestersenxillars. 
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des reichen 'l'eppichs, der den Hintergrund in halber Höhe deckt. 
Es ist die lioblichste Blüthe der Kölner Kunst, gewissermaasseil 
zwischen Meister VVilhelm und dem Dombilde stehend, die V or- 
züge beider vereinend. Der Kopf der Jungfrau mit hoher Stirn, 
etwas kurzer Nase und kleinem Munde, mit hochgewölbten Au- 
genbrauen und weich gesenkten Lidern gleicht einigermassen 
dem der Jungfrau in der Verkündigung auf der Aussenseite des 
Dombildes, aber doch mit länglicherem Ovale, feiner gebildetem 
Kinne, weniger vollen Wangen. Die Gesichtslinie ist ohne Ver- 
gleich schöner, so schön, wie man sie nur an den edelsten Wer- 
ken italienischer Kunst tindet. Der Körper hat noch die schlan- 
ken Verhältnisse der älteren Schule, Arme und Hände sind noch 
eben so dünn, die senkrechten Linien herrschen im Faltenwtlrfe 
vor, die schmalen Schultern und eine leise Biegung der Gestalt 
weisen auf Meister YVilhelm hin. Aber doch ist sie körperlicher, 
mehr durchbildet, der Mantel zwar völlig frei von den gehäuften 
Brüchen des Dombildes, aber doch durch die Biegung der Arme, 
von denen der rechte das Kind, die linke Island ein Veilchen hält, 
lebendig bewegt und mit grossartigem YVurfe. Die ganze Er- 
scheinung ist überaus lieblich und doch vornehm; mit dem 
schlichten gescheitelten, von einer Perlenschnur gehaltenen Haare 
ist sie zwar keine Königin, aber die Edelste unter den Jung- 
frauen. Das Kind ist dieser Mutter nicht unwürdig; mit einem 
leichten Hemdchen bekleidet, die Rechte segnend erhoben, drückt 
es die V erbindung des Kindlichen und Göttlichen sehr wohl aus; 
doch ist die Modellirung hier schüchterner und allgemeiner, als 
auf dem Dombilde. Ueber die Färbung gestattet die zwar ge- 
schickte, aber sehr starke Restauration des stark beschädigten 
Bildes kein ausreichendes Urtheil; indessen deuten die [Farben- 
wahl und der Schmuck von Edelsteinen und Perlen auf einen 
dem Dombilde verwandten Sinn, nur dass der beginnende Natu- 
ralismus hier noch der idealen Reinheit und Hoheit vollkommen 
untergeordnet ist und sich nicht in solcher Breite entfaltet, wie 
dort. Aus den am Fusse des Bildes betintllicheir Wappenschil- 
dern hat ein zuverlässiger Forscher tit) mit grossei" Sicherheit er- 
mittelt, dass die Stifterin eine Elisabeth von Reichenstein war, 
l") Leopold Eltester im Organ für christl. Kunst 1354, S. 178. 

        

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