Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965897
Das 
Dombild. 
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der Natur und mit kindlicher Freude an ihrer Schönheit alles 
Glänzende und Freudige sammelt um die heiligen Gestalten damit 
zu schmücken. Die Jungfrau Maria, so königlich ruhig und so 
jungfräulich mild, das wunderbare Kind auf ihrem Schoosse, 
das der ausgebildetesten Kunst Ehre machen würde, der Aus- 
druck von lnnigkeit in den Köpfen der beiden älteren Könige, 
die ruhige, feste und Feierliche Heiterkeit aller anderen Gestalten, 
dies alles umleuchtet von Gold und Farbenpracht giebt uns Wirk- 
lich ein Bild himmlischer Seligkeit und Freude, bei der dann auch 
jene Mängel, die Gleichheit mancher Gesichtszüge, die breite be- 
hagliche Stellung, selbst die bürgerliche Anspruchslosigkeit der 
Köpfe nicht ohne Bedeutung sind. Wir stehen auf der Gränze 
zweier Epochen; die ideale Reinheit der abscheidendeil ist hier 
noch im vollen Einklange mit der Realität der Dinge,- der sich die 
beginnende zuwendet. 
Den Namen des Meisters nennt keine Inschrift oder Ur- 
kunde, selbst jene älteren Schriftsteller, die der Stiftungszeit 
näher standen, haben ihn nicht aufbewahrt, und Wir verdanken 
die einzige Kunde desselben der haushälterischen Gewohnheit 
Albrecht Dürefs, der auf seiner niederlämlischen Reise im Jahre 
1521 Köln besuchte und dabei in seinem 'l'agebuche auch die 
zwei Weisspfennige anschrieb, die er bezahlt, „um die Tafel 
aufzusperren, die Meister Steffen zu Köln gemacht hat". YVei- 
teres darüber sagt er nicht, nicht ein Wort der Schilderung des 
Bildes, aber das Aufsperren, die Versicherung der erwähnten 
Localschriftsteller, dass dies Bild von den Fremden und beson- 
ders von den Künstlern besucht zu werden pflegte, und endlich 
eine an den Besuch Dürefs bei diesem Bilde geknüpfte, wenn 
auch entstellte, bald nachher umlaufende Anekdote, lassen keinen 
Zweifel, dass von ihm die Rede ist s). Natürlich hat man Nä- 
heres von einem so bedeutenden lileistei- zu erfahren gewünscht, 
und die sorgfältigste Nachforschung in den Kölnischen Urkunden 
hat denn auch endlich unter den vielen Malern dieser Zeit einen, 
aber auch nur einen dieses Namens entdecken lassen. Er wird 
Stephan Loethener oder nach neuerer Berichtigung Lochner 
genannt, scheint aus Constanz gebürtig, kaufte im Jahre 1442 
 Vergl. Merlo, Nachrichten a. a. O. 
v1. 29
        

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