Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961684
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Religiöse 
Zustände. 
Zeitalter charakteristische und auch für unsere Zwecke höchst 
wichtige Erscheinung ausführlicher Betrachtung bedürfen. Diese 
Gottesfreuilde bildeten weder eine Secte, noch einen abgeschlos- 
senen Orden, hatten keine gesetzliche Ordnung, keine Oberen; 
aber sie kannten sich durch ganz Deutschland, standen durch 
Briefe und persönliche Besuche in stetem Verkehr, und hielten 
es für rathsam, sich der Leitung geistig Erfahrener zu unter- 
wiverfenie). Ihre sittlich-religiösen Anforderungen gingen Weit 
über das Maass kirchlicher Moral und Pietät hinaus, aber sie 
waren treue Söhne der Kirche, hielten fest an ihren Dogmen und 
Gebräuchen. Was sie verband, war mehr eine Gefühlsrichtung 
als eine Lehre, aber sie hatten doch bestimmte, sehr eigcnthüm- 
liche Gedanken, welche den Mittelpunkt ihrer Ansichten bildeten 
und ihnen höher standen, als die verbreitete kirchliche Doctrin. 
Die Quelle dieser Gedanken können wir weit: hinauf verfolgen, 
bis zu den Kirchenvätern, nur dass sie hier ein verborgener Be- 
standtheil der ganzen Doctrin sind, der erst durch die Schärfe 
des scholastischeu Denkens abgelöst und selbstständig gemacht 
wurde. Es handelte sich um die Fähigkeit der Seele, sich zu 
Gott zu erheben oder seines Ilerabsteigens gewürdigt zu wer- 
den. Während nun die Mehrzahl der Scholastikei- versuchte, 
wie weit sie durch den Gebrauch ihrer Vernunft mit Gottes 
Gnade kommen könnte, fanden sich Andere, denen dies nicht 
genügte, die aber annahmen, dass die Seele durch aufsteigende 
Erhebung in geordnetem Denken und durch Zurückziehen aus 
den sinnlichen Dingen, der Gnade zugänglich und so der An- 
schauung Gottes und damit der höchsten Seligkeit theilhaft 
werden könne. Der Erste, welcher diese Ansicht aufstellte, ein 
Deutscher, aber nach dem Pariser Kloster, in welchem er lebte, 
Hugo von St. Victor genannt (1- 1141), lässt es dahin ge- 
stellt, ob diese höchste Stufe schon hier, oder nur im ewigen 
Leben erreicht werden könne, seine Schüler, demselben Kloster 
angehörig und daher auch wohl Victoriner genannt, sprechen 
Ü Tauier: Darnmb wäre es gar sivher, dass die Mßnscheln, die der 
Wahrheit gern lebten, hätten einen Gottesfreund, dem sie sich unterwürfen 
und dass er sie richtet nach Gottes Geist.  Und so (ifter. Vgl. Gieseler 
a a. O.  117, Not. U. 

        

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