Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965800
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Kölner 
Schule. 
tätik), dasselbe Bestreben den heiligen Gestalten einen Ausdruck 
von Reinheit, Unschuld, Lieblichkeit zu geben, dieselbe Airhäng- 
lichkeit an die typischen Ueberlieferungen der Vorzeit, dieselbe 
VVeise mehr aus dem Inneren, also in gewissem Sinne aus Ideen, 
als aus objectiven Anschauungen zu schöpfen, dasselbe Verhält- 
niss zur Natur, Welche sie nur im Allgemeinen und flüchtig 
beobachten und aus ihr nur das nehmen, was ihren bereits fest- 
gestellten Schönheitsbegrith-n entspricht; daher denn auch die- 
selbe typisch gewordene Mangelhaftigkeit der Zeichnung, von 
der man schwer begreift wie sie so lange unbemerkt und unver- 
bessert bleiben konnte, aber auch endlich dieselbe Feinheit der 
Linie und Innigkeit der Emplindung. Aber daneben bestehen 
nicht blos individuelle, sondern auch solche Verschiedenheiten, 
welche ein Hinausschreiten über den ursprünglichen Standpunkt 
vorbereiteten. Die älteren Meister, aus der architektonisch sta- 
tuarischen Schule hervorgegangen, liebten einfache, wenig ge- 
brochene Linien, schlanke Verhältnisse, die späteren suchten 
weicheren Schwung und vollere Rundung; die älteren hatten bei 
vorherrschendem Ernst einzelne aus dem Leben entlehnte anmu- 
thige Züge angebracht, die späteren suchten diese zu vermehren, 
und dieser Anmuth einen lebendigeren, aber auch sinnlichereir 
Charakter zu geben. Ueberhaupt milderte das wachsende Natur- 
gefühl, wenn auch ohne wirkliche Studien, manche Härten; die 
allzudünilen Glieder und die eckigen Bewegungen werden völli- 
ger und weicher, die Körper und Stoffe etwas ilatürlicher behan- 
delt, die Farbe endlich, die bei jenen Aclteren zwar sorgfältig 
gestimmt und harmonisch, aber zart und dünn ist und noch an 
die colorirten Umrisse der Miniaturen erinnert, wird allmälig kräf- 
tiger im Tone, stärker aufgetragen und zu volleren Accorden 
verbunden. 
Diese Neuerungen ergaben sich ganz einfach aus den Ge- 
setzen der Kunst; abgelöst von der Architektur und nach der 
Natur gewendet, konnte sie nicht lassen, sich ihr langsam zu 
nähern. Aber sie hingen auch zusammen mit der Aenderung des 
4') Man hat diesen, zur Bezeichnung dieser älteren Kölnischen Schule oft 
gebrauchten Ausdruck angefochten, allein wenn hauch vieldeutig und dem Miss- 
brauchs unterworfen, wie alle solche Bezeichnungen, ist er doch der passendste.
        

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