Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961676
in 
Deutschland. 
27 
kirchlichen Zustände traf mehr das Ganze, als die einzelnen 
Gläubigen. Ganz anders in Deutschland; hier war die Na- 
tion bei dem Streite zwischen den Oberhäuptern der Kirche und 
des Staates stets getheilt und ohne Führer; der Einzelne stand 
unmittelbar der Kirche gegenüber, musste in sich selbst Hülfe 
suchen. Von der streitigen Kaiserwahl des Jahres 1314 an bis 
gegen die Mitte des Jahrhunderts lastete das Interdict auf Kaiser 
Ludwig und seinen Anhängern; überall, wo sich die Reichs- 
stände für ihn erklärt hatten, war daher der Klerus in der Lage, 
entweder dem Papste oder der weltlichen Obrigkeit ungehorsam 
zu sein. Oft war selbst diese uneinig, wie in Strassburg und in 
Basel, wo der Rath und die Mehrheit der Bürger für, der Bi- 
Schof nebst einer Minderheit gegen Ludwig war, dieser dieCe- 
lebration des Gottesdienstes verbot, jener die weigernden Geist- 
lichen aus der Stadt verbannte. Durch ganz Deutschland sah 
man vertriebene Priester und Mönche herumirren; an vielen 
Orten War der Dienst wirklich eingestellt, den Kindern die 
Taufe, den Sterbenden der Trost der letzten Oelung, Allen die 
Beichte und das Sacrament des Altars versagt. YVährend sich 
dann bei der an priesterliche Leitung gewöhnten Menge die 
X7ergehungen häuften, mussten auch unter den Geistlichen Viele 
sich fragen, ob es göttlicher Wille sei, dass das Volk für den 
Zwist des französischen Papstes mit dem Kaiser büsse, ob es 
ihnen erlaubt sei, ihre Heerde hirtenlos zu lassen, fühlten sich 
fromme Laien getrieben, zu forschen und nachzudenken, ihr 
Seelenheil selbst zu erwägen, einander geistliche Liebeshiilfe zu 
leisten, sich ihre inneren Erfahrungen mitzntheilen nnd sich im 
Glauben zu stärken. Der Geist religiösen Forschens und Seh- 
nens verbreitete sich durch ganz Deutschland. 
Ein Erzeugniss dieser Stimmung sind die Mystiker dieser 
Epoche oder, wie sie sich selbst wohl nannten, die Gottes- 
freunde de), welche als eine an sich sehr anziehende, für das 
 Erst neuere Forschungen haben uns in das Leben dieser Kreise 
eingeführt. Vgl. Carl Schmidt, Johannes Tanler von Strassburg, Ham- 
burg 1841. Derselbe, die Gottesfreunde im vierzehnten Jahrhundert, 
Jena 1854. Gieseler, Kirchengeschichte II, 3,  117- Nßölldßf IV, 
516 ff, und. Böhringer, die Kirche Christi und ihre Zeugen, Band II, 
Abtheilung III. 

        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.