Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965702
430 
Kölner 
Schule. 
schen Freude des Moments noch stärkeren Ausdruck zu leihen. 
Die Bilder der oberen Reihe sind weniger gelungen; die Compo- 
sitionen sind voller aber nicht so glücklich dem Raume eingefügt, 
nicht so bestimmte Umrisse gebend, die Bewegungen eckiger, 
gewaltsamer, die Henker haben schon die seltsame Mischung 
von burlesker Rohheit und einer affectirten Grazie, welche sich 
in der späteren Kölner Schule oft wiederholt und zum Theil auf 
die Rechnung mangelhafter Zeichnung zum Theil auf die eines 
falschen Stylgefühles zu bringen ist. Besonders aber fehlt hier 
die geistige Freiheit der unteren Bilder; die Motive sind vielmehr 
meist die hergebrachten und oft sehr äusserlich wiedergegeben, 
Es kann daher sein, dass hier wie man vermuthet hat, ein älterer 
Meister oder ein an ältere Weise gewohnter Geselle ausgeholfen 
hat; indessen muss man auch die Verschiedenheit des Stoffes in 
Anschlag bringen, der dem Maler der unteren Reihe mit seinem 
Sinne für das Zarte, Liebliche, Heitere Schwierigkeiten erregen 
musste. Sicherer ist, dass die schon erwähnten Aussenbilder 
auf Leinwand von anderer, minder bedeutender Hand sind, wie 
ich meine eine Reihe von Jahren jünger. 
Ein Paar dem Clarenaltar gleichzeitige Bilder finden sich 
unter den noch ungeordneten Schätzen des künftigen Kölner 
Museums. Zuerst eine Kreuzigung nebst zwölf kleinen Seiten- 
bildern mit der Geschichte Christi von der Verkündigung bis 
zur Auferstehung aus der Kirche des h. Laurentius, dann die 
(lurchgesägte Tafel eines Bildflügels, auf der einen Seite mit der 
Kreuzabnahme, auf der andern mit Wundern der h. Elisabeth von 
Thüringen; endlich eine Folge von sechs Bildern aus der Pas- 
sion, darunter die Kreuzigung mit Maria und Johannes. Alle 
diese Bilderit) haben in der Technik und in einzelnen Zügen 
grosse Verwandtschaft mit dem Clarenaltar, aber doch auch wie- 
der Eigenes. Die Modellirung ist meistens stärker, die Färbung 
mannigfaltiger, die Anwendung Weisser Lichter, die von nnn an 
für die Kölner Schule bezeichnend ist, entschiedener. Auch das 
Streben nach Tiefe des Ausdrucks und dramatischem Leben ist 
zum Theil grösser. Aber der zarte Sinn, das Gefühl für Har- 
 Von mir noch in der als Depot dienenden ehemaligen Rat-hhanskapelle 
gesehen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.