Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965685
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Kölner 
Schule. 
schlossenen Aussenflügeln dagegen auf Leinwand gemalte Tem- 
perabilder auf rothem Grunde, den Crucitixus, Christus im Grabe 
Stehend, und einzelne statuarisclte Heilige darstellend, dem Style 
nach etwas jünger als die sogleich zu erwähnenden überaus 
werthvollen Gemälde, welche sich nach der Oeffnung der äusse- 
ren Flügel aufdem von ihnen mit den geschlossenen inneren ge- 
bildeten grossen Felde zeigen. Die Mitte bildet. hier der Schrank 
für die Monstranz mit der Gestalt eines messelesenden Priesters 
auf seiner Thüre; daneben stehen in vergoldeter, in Holz ge- 
schnitzter Architektur auf-jeder Seite sechs Bilder und zwar in 
zwei Reihen, die zwölf der unteren die Jugendgeschichte Christi, 
von der Verkündigung bis zu seinem Auftreten als Knabe im 
Tempel, die der oberen Leiden und Tod, vom Gebet auf dem 
Oelberge an bis zur Ielimmelfahrt, enthaltend. Alle diese Bilder 
sind auf Goldgrund mit zarten dünnen Farben und leichter M0- 
dellirung gemalt, die Figuren schlank, selbst ohne starke Aus- 
bildung der Taille, aber nicht zu lang und nicht übertrieben ge- 
bogen; die Zeichnung hat jene ideale Einfachheit, welche die Be- 
wegung meist mit ununterbrochenem Flusse der Linie giebt, die 
Gesichter sind rundlich mit feiner Zuspitzung des Kinnes, die 
Compositionen stets aus wenigen Figuren zusammengesetzt, die 
Bewegungen nicht lebhaft, aber bezeichnend, anmuthig, und ohne 
Prätention. ltlehr als die früheren Maler und Bildner weiss dieser 
Meister den Seelenausdrurk ilicht blos durch die Bewegung der 
Körper, sondern durch Mienen zu geben; besonders gilt dies von 
der unteren Reihe, wo die Gegenstände offenbar seiner Richtung 
zusagten. Da ist ein Schönheitsgefiihl, ein Geschick mit leisem, 
fast umnerklichem Zuge die Stimmung der Gestalten zu bezeich- 
nen, ein Ausdruck von Demuth, Innigkeit und unschuldiger 
Freude, wie er kaum schon so vorgekommen sein mochte. Die 
Geschichte ist sehr ausführlich erzählt; zwischen der Heimsu- 
chung und der Geburt ist die Reise nach Bethlehem, zwischen 
der Verkündigung an die I-Iirteu und der Anbetung der Könige 
eine häusliche Scene, ein Bad des Kindes, eingeschoben; dem 
entspricht aber auch die Behandlung völlig, es ist eine Familien- 
geschichte mit weiblichem Interesse an allen dabei vorkommen- 
den Details, aber mit idyllischer Einfachheit und von einem
        

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