Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965662
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Kölner 
Schule. 
die Ueberreste von neun lcbensgrossen Gestalten entdeckt, wel- 
che Propheten oder vielleicht im Gegensatze gegen die guten 
Helden Philosophen oder dergl. darstellen mochten. Nur drei 
Köpfe derselben sind ganz zu Tage getreten, nur zwei in besse- 
rem Zustande, der eine in Verbindung mit einer nicht völlig ver- 
ständlichen, gemalten Architektur?) Sie zeigen die Hand eines 
vorzüglichen Meisters, übertreffen in der Linienführung und Mo- 
dellirung alle vorhergegangenen Kölnischen Wandmalereien und 
erinneren mehr an die nahestehenden Tafelmalereien. Auch dies 
bestätigt die Vermuthung, dass sie von Meister Wilhelm her- 
rühren, so dass sie in Zukunft als Anhalt für weitere Forschun- 
gen nach seinen Werken dienen können. 
Früher, beim Anfange der Studien über die altkölnische 
Schule hatte man ein anderes Wandgemälde in gleicher Weise 
benutzt, nämlich das über dem Grabe des 1388 verstorbenen 
Erzbischofs von Trier, Cuno von Falkenstein, in St. Castor in 
CoblenzW-t), Christus am Kreuze zwischen vier Heiligen und den 
knienden Erzbischof darstellend. Die zwar schlanken aber doch 
würdigen Gestalten der Heiligen und besonders das Bildniss des 
Verstorbenen haben zum Theil noch den Charakter des älteren 
Styls, dabei aber doch eine so grosse individuelle Lebendigkeit, 
dass man sie wohl einem bedeutenden, epochemachenden Meister 
zuschreiben konnte. Da man nun den Ruhm Meister Wilhelms 
von 1380 datirte, das Bild Wegen der Portraitähnlichkeit bei Leb- 
zeiten des mächtigen Kirchenfürsten gestiftet glaubte, vermuthete 
man, dass dieser auch den berühmtesten Meister seiner Zeit be- 
rufen und man daher hier ein sicheres Werk von Meister Wil- 
helm vor sich habe. Diese Schlussfolge  ist indessen durch das 
t) Der Güte des Herrn Consewators Ramboux verdanke ich die Benutzung 
seiner Durchzeichnungen, von welchen die beigefügten Holzschnitte eine treue 
Verkleinerung bilden. Die Fragmente der gemalten Architektur sind dabei 
fortgelassen; sie dürften nicht ursprünglich sein. 
u] Eine flüchtige, jedoch nicht werthlose Zeichnung in Mo11er's Denkm. I, 
Taf. 46. Leider ist das Original bei einer neueren Restauration durch Ueber- 
malung entstellt. 
 Professor Mosler in Düsseldorf, welcher überhaupt der erste war, der 
die altkölnische Schule studirte, die Bilder verglich und ihre Schicksale ver- 
folgte, stellte diese Ansicht auf, und die ersten öffentlichen Berichterstatter haben
        

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