Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965627
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Kölner 
Schule. 
diesen Weg energischer Uebertreibung auch ihrerseits zu be- 
treten. Wenigstens sind die vor Wenigen Jahren entdeckten 
Wandmalereien in der Krypta von St. Gereon, bei denen eine 
der halbverlöschteu Inschriften die Jahreszahl 1360 erkennen 
lässt  noch viel einfacher, von richtigen vollen Verhältnissen, 
mit breiten, geradlinig begränzten Gewandmassen und scharf 
gebrochenen, nicht in so freiem Flusse, wie an jenen Statuen, 
entwickelten Falten, aber dafür auch ohne jene manierirte Bie- 
gung, von grosser, würdiger Schönheit der Linie, mit edlen Ge- 
sichtszügen und nicht ohne Ausdruck, das volle Oval von locki- 
gem Haare umwallt. Aber auch in der Plastik M) ist jene affec- 
tirte Haltung Inicht allgemein; die kleinen Figuren der Krönung 
Mariä und der Apostel, welche in den Nischen des prachtvollen 
Hauptaltares in weissem Marmor ausgeführt stehen, und schon 
wegen der Kostbarkeit des Materials gewiss nur einem guten 
Meister anvertraut Wurden, sind kurz und schwer, nur durch dig 
weiche Gewandbehanillung jenen Apostelstatuen verwandt, und 
die Gestalten der älteren Erzbischöfe, welche bei der Verlegung 
ihrer Grabstätten in den neuen Domchor neugearbeitet wurden, 
sind steif und eher alterthümlich. Bald aber glichen sich diese 
Gegensätze aus; die Gestalt des Erzbischofs Engelbert II. H- 
1368) auf seinem noch bei seinem Leben gearbeiteten Sarko- 
phage hat schon mehr individuelles Leben, die kleinen Figuren 
an den Seitenwänden sind freilich wieder in mehr malerischem 
Style, aber sehr aumuthig; die grosse Jungfrau mit dem Kinde 
in der Marienkapelle zeigt zwar Verwandtschaft mit den Apostel- 
statuen, ist aber doch mässiger gehalten und schöner, und die 
Statuen von Königen und Helden 34W) im Hansesaale des Rath- 
hauses sind von etwas derber, gesunder Bildung. 
Diese Fortschritte der Plastik müssen zu den günstigen 
 Unter der Gestalt des h. Gregor:    decies sex ter M centum    te 
duce Gregorio. Jedenfalls steht also fest, dass die Malerei nicht älter ist als 1360. 
H) Vergl. Kugler a. a. O. II, 260.  
am") Man hat darin bisher die Beschützer der Hanse und die Vertreter ein- 
zelner verbündeter Städte zu sehen geglaubt. Nach Dr. Ennen's wahrschein- 
licher (vielleicht auch aus neu entdeckten Inschriften hergeleiteter) Vermuthung 
sind diese in reicher Rüstung dargestellten Figuren vielmehr die bekannten 
neun guten Helden. Vergl. den weiter unten citirten Aufsatz des Dr. Enneu.
        

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