Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965565
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Kölner 
Schule. 
auch in hergebrachter compendiarischer Kürze, doch in epischem 
Style vorzutragen, bedurfte er einer grossen Zahl und daher einer 
kleinen Dimension der Figuren, für Welche die Höhe der Bild- 
felder unangemessen war. Er musste diese daher durch eine 
complicirte architektonische Theilung verkleinern, und brachte 
zu diesem Zwecke zuerst ein gemaltes Basament von je 23 glei- 
chen spitzbogigen Arcaden an, mit kleinen 18 Zoll hohen statua- 
rischen Gestalten, auf der päpstlichen Seite von Bischöfen, auf 
der kaiserlichen von Kaisern und Königen. Demnächst theilte er 
den oberen Raum jedes Feldes in sieben grössere Arcaden, wel- 
che die verschiedenen Momente der Legenden enthielten, durch 
ihre innere Bogenhöhe von 4 Fuss 7 Zoll den erforderlichen klei- 
nen Dimensionen der Figuren entsprachen und doch mit Hinzu- 
rechnung der Spitzgiebcl und 'l'hürmchen, welche die Arcaden 
bekrönten, die ganze llöhe des Raumes ausfüllten. Es war eine 
Anordnung, wie man sie an den Glasgemältlen brauchte, und wie 
sie überhaupt dem Prinzip gothischer Flächentheilung zusagte. 
Unser Maler benutzte sie aber zugleich um einen rhythmischen 
Wechsel der Formen und Farben und freies Spiel für seine 
reiche Phantasie zu gewinnen. Die Arcaden unterscheiden sich 
nämlich zunächst in der Form, indem abwechselnd immer eine 
von einem einfachen Spitzbogen, die andere aber (wie in der bei- 
gedruckten Abbildung) von drei kleineren, auf Consolen ruhen- 
den Bögen gedeckt ist; dann aber auch in der Farbe des tapetexi- 
artigen Hintergrnndes, der bei diesen dunkelblau und durch 
Goldfärlen in Vierecke mit Laubwerk oder kleinen Figürchen 
getheilt, dort aber braunroth und mit eben solchen Figürchen 
ohne regelmässige Eintheilung verziert ist. Der Grund über den 
Spitzbögen ist einfarbig, um im Gegensatz gegen den Wechsel 
der Mitte das Ganze zusammenzuschliessen, und zwar Wiederum 
braunroth und mit grottesken Figürchen bedeckt, die in schwar- 
zer Zeichnung der Umrisse und mit der Grundfarbe, aber in 
etwas hellerem Tone gefüllt, in der Eiltfernung wenig auffallen 
und dem ganzen 'l'eppichgrunde den Schein eines dunkeln Da- 
mastgewebes geben, während der nähere Beschauer daran, wie 
in den übrigen 'l'heilen des Grundes, eine Fülle freier Phantasie- 
spiele, männliche und weibliche Gestaltern in Modetrachten der
        

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