Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965548
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Kölner 
Schule. 
die anderen sind aber Landleute oder durch ihre Werkzeuge 
deutlich bezeichnete Handwerker, die Verdammten bestehen da- 
gegen durchweg aus vornehmen Personen, zierlichen Damen, ge- 
krönten Häuptern, Rittern und Nonnen. In den Flügelbildern 
endlich sieht man auf der einen Seite Abraham oder Christus, 
denn er hat den Kreuznimbus, mit Seligen in seinem Schoosse, 
nebst anbetenden weiblichen Heiligen, auf der anderen Satan 
mit feurigen Fledermausflügeln, Hörnern und furchtbaren: Ant- 
litz, in ähnlicher Weise Sünder im Schoosse haltend. Es ist also, 
der Enge des Baumes entsprechend, ein höchst gedräugter Aus- 
zug der Heilsgeschichte; alle Irlergänge sind in grösster Kürze, 
mit wenigen Nebenpersonen vorgetragen. Und ebenso ist auch 
die Ausführung leicht, fast skizzenhaft, aber doch deutlich und 
eindringlich. Die Zeichnung trägt unverkennbar den Charakter 
des vierzehnten "Jahrhunderts; die Neigung zu Weichen und an- 
muthigen Motiven, welche sich in den VVerken vom Schlusse 
der vorigen Epoche nur neben den noch beibehaltenen Ziigen des 
älteren Styls und daher steifer und conventioneller geltend macht, 
ist hier schon völlig ausgebildet. Das Ganze ist aus einem Gasse, 
alle Linien sind flie-ssend, alle Schatten weich, die Gestalten 
schlank fast überschlank, die Schultern schmal, während sie in 
der vorigen Epoche eher breit gebildet wurden, die Körper bei 
weicher Biegung noch ohne die alfectirte Grazie, vwelche sich 
später einstellte, die Köpfe zu klein, Arme und Beine mager, die 
Hände lang und spitz, die Gesichter in regelmässigem feinem 
Oval, das Haar in conventionellen, auf beiden Seiten symmetrisch 
fallenden Locken. Der Wurf der Gewänder verräth ohne genaue 
Beachtung des Knochenbaues doch immer das Bewusstsein der 
anzudeutenden Körperhaltung, überhaupt weiss der Maler umge- 
achtet der zu allgemeinen und unbestimmten Formbildung seine 
Gedanken sehr deutlich auszusprechen; die Iunigkeit der Fle- 
henden und Anbetenden, die Würde des Weltrichters, die ritter- 
liche Kraft des drachentödtenden Erzengels sind sehr wohl ge- 
lungen. Er weiss auch dem Ernsten und Grossartigen Ausdruck 
zu geben, aber seine Richtung geht doch mehr auf das Zarte und 
Anmuthige. Wir werden nicht irren, wenn wir die Zeit seiner 
Arbeit in die ersten Jahre des vierzehnten Jahrhunderts setzen.
        

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