Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965517
Die 
Schule 
VOIl 
Köln. 
411 
samkeit geworden war, predigten Eckart und Tauler und hinter- 
liessen Schüler, Welche, gleichsam auf halbem Wege zwischen 
den oberdeutschen und niederländischen Gottesfreunden wohnend, 
mit ihnen in bleibendem Verkehr standen, und mit ihrer innigen 
Frömmigkeit auf die an sich schon andächtig gestimmte Bevölke- 
rung vielfach einwirkten. Und diese Gunst materieller und gei- 
stiger Umstände fand denn auch künstlerische Traditionen und 
Kräfte wie in keinem andern Orte. Von den Kölnischen Email- 
arbeiten im zwölften Jahrhundert, von den Wandmalereien von 
Schwarzrheindorf und Brauweiler, von der bekannten Stelle in 
W0lfram's Parcival, welche den Kölner Malern nur die von 
Maastricht an die Seite setzt, haben wir schon gesprochen. Diese 
Kunstblüthe hatte vor allem zum Schmucke der einheimischen 
Kirchen gedient, welche daher mit einer Fülle edelster Werke 
aus alter Zeit prangten, während der Dombau die strebsam- 
sten Werkleute, und die gewerbliche Blüthe die geschicktesten 
Gesellen der anderen künstlerischen Zünfte herbeizog, welche 
dann die Erben der in den Klöstern bewahrten Kunstmittel und 
Lehren wurden. Daher kann es denn nicht überraschen, dass 
auch jetzt bei dem allgemeinen Aufschwunge der deutschen Kunst 
die Kölner Schule alle anderen sowohl an Fruchtbarkeit als an 
Bedeutung und Schönheit der Schöpfungen übertrifft. Der Geist, 
der sie durchdringt, das Ziel und die Stufen des Fortschrittes 
sind freilich in allen diesen Schulen fast dieselben, aber nirgends 
sind sie so deutlich und vollständig erkennbar wie hier. Zwar 
fühlen wir auch hier den Mangel an Nachrichten sehr schmerz- 
lich; Bescheidenheit oder eine Zunftregel hielt die Meister ab, 
ihren Namen , ja selbst die Jahreszahl auf die Werke zu setzen, 
und nur höchst vereinzelte Aeusserungen der Chronisten oder 
dürftige Lebensnachrichten über einige Künstler in amtlichen 
Urkunden ü) können uns zu Anhaltspunkten dienen. Dafür aber 
 Ich spreche von den sogenannten Schrein sbüchern, von denen 
schon früher bei der Frage nach der Person des Dombaumeisters die Rede ge- 
wesen ist. Diese vom zwölften Jahrhundert an ziemlich vollständig erhaltenen 
Bücher, in welche die Urkunden über Besitzwechsel und Belastungen des Grund- 
eigenthums eingetragen wurden, enthalten natürlich nur Namen von Meistern 
mit ihrer zünftigen Bezeichnung, ohne alle Beziehung auf ihre künstlerischen 
Leistungen, und können daher nur dazu dienen, über ihre äusseren Lebens-
        

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