Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965506
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Deutsche 
Kunst. 
je nachdem sie grossen, weithin blickenden Handel oder kleines 
Gewerbe trieben, je nachdem ihre Bevölkerung mehr in demo- 
kratischer Gleichheit lebte oder mächtige, ritterbürtige Geschlech- 
ter enthielt, mussten sie anders auf die Künstler wirken und ihnen 
eine Richtung geben, welche, einmal angebahnt, sich mit zünftiger 
Hartnäckigkeit durch viele Generationen vererbte. Dazu kam die 
Verschiedenheit der religiösen Zustände; anders die Kunst in 
einer von mystischer Frömmigkeit tief ergriffenen Stadt, anders 
bei grösserer Gleichgültigkeit oder ungestörter Kirchlichkeit. 
Auch das war wichtig, ob die Klöster der Stadt oder Umgegend 
früher künstlerische Thätigkeit geübt hatten, deren Erfahrungen 
jetzt den zünftigen Meistern zu Gute kamenöi). 
Keine Stadt war in allen diesen Beziehungen mehr begün- 
stigt als Köln. Römischer Stiftung und einer glorreichen Ver- 
gangenheit sich rühmend, von der die Herrlichkeit der zahlreichen 
Kirchen und anderer Monumente und eine Fülle heimischer Sagen 
Zeugniss ablegten, in seinen Mauern die stolze Pracht reicher 
ritterlicher Familien mit einer dichtgeilrängten gewerbtleissigen 
Bevölkerung vereinigend, dabei in ununterbrochener Blüthe eines 
weit ausgedehnten Handels, der gerade jetzt durch neue kaiser- 
liche Privilegien erweitert wurde, war es noch immer die erste 
Stadt Deutschlands. Zwar wurde der innere Frieden durch fort- 
dauernden, oft blutigen Zwiespalt mit dem Erzbischofe oder 
zwischen den Geschlechtern und der zünftigen Bürgerschaft 
häufig unterbrochen, aber die Wunden, welche diese Kämpfe 
schlugen, heilten bei dem gesunden Zustande des Gemeinwesens 
schnell, und die Erinnerung an diese Fehden gab nur eine 
poetische Anregung, welche das Selbstgefühl der Bürger eher 
hob als schwächte. Zu dem materiellen Reichthum kam damr 
auch geistiges Leben; von demselben Kloster aus, welches in der 
vorigen Epoche durch Albert den Grossen ein Sitz der Gelehr- 
 Namentlich Farbeurecepte. Andrea di Drea Cennini in seinem be- 
kannten Trattato räth den Malern, sich deshalb an die Mönche zu wenden (ne 
troverai assai ricette specialmente pigliando de' frati", c. 40), und dass dies 
auch von deutschen Mönchen gilt, weist Eastlake a. a. 0. aus einem italieni- 
schen Manuscripte nach, wo ein Recept (zur Malerei auf Leinwand), als von 
deutschen Mönchen den venetianischen mitgetheilt, angerührt wird.
        

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