Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965484
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Reger 
Kunstverkehr. 
YVie rege überhaupt der künstlerische Verkehr war, be- 
weisen viele Thatsachen. Die Künstler reisen theils um sich zu 
belehren, theils um ihre Dienste anzubieten, und die Besteller 
wenden sich oft in fremde Gegenden, die für gewisse Kunst- 
zweige berühmt sind, um von dort her Werke oder Künstler zu 
erhalten. Dass die gravirten Erzplatten von Flandern oder aus 
niederdeutschen Städten versendet wurden, haben wir schon ge- 
sehen, und dass Paris noch immer der I-lauptort für Bücherhaiulel 
und Miniaturmalerei war, ergeben theils die auf uns gekommenen 
Rechnungen des Grafen von Savoyen und des Herzogs von Bur- 
gundi-i), theils die vielen augenscheinlich französischen Minia- 
turen dieser Epoche, die in England, Deutschland, Italien gefun- 
den werden und zum Theil nach darin enthaltenen Inschriften 
schon lange im dortigen Besitze warenäiii). Dagegen liess dann 
ein Graf von Savoyen im Jahre 1303 'I'afelgemiilde aus England 
kommen und beschäftigte einen englischen Künstler, der ihm ein 
lebensgrosses Wachsbild seiner Gemahlin machte 94'113). 
Von dem lebhaften Verkehr der deutschen Künstler im 
Innern des Landes werden wir nachher bei Betrachtung der 
deutschen Schule zahlreiche Beispiele finden, für jetzt mag das 
eine genügen, dass der unbekannte Verfasser einer in der Stras- 
burger Bibliothek bewahrten, aus dem vierzehnten Jahrhundert 
stammenden Sammlung von Farbenrecepten, zwei uns ebenfalls 
unbekannte Meister, Heinrich von Lübeck und Andreas von Col- 
mar, als diejenigeil nennt, von denen er am meisten erhalten-f); 
die entferntesten Gegenden berührten sich also. Auch im Aus- 
lande aber sind deutsche Künstler nicht selten, wir werden sie in 
Italien und in Frankreich nachweisen, wo die Niederländer in der 
zweiten Hälfte der Epoche fast mehr wie die einheimischen 
Künstler gesucht scheinen. 
Ü] Vergl. Cibrario Economia politica II, pag. 342 und die angeführten 
Werke von Barrois und de Laborde. 
"Ü Z. B. ein Psalter mit französischen Miniaturen aus der ersten Hälfte 
des vierzehnten Jahrhunderts, jetzt in der Bibliothek des Seminars zu Padua, 
wurde lautlnschrift von einer Aebtissin Bartolommea aus dem Hause der Ca.- 
raresen bei ihrem 1415 erfolgten Tode dem Petersstifte daselbst vermacht. 
a") Näheres unten im Kapitel von englischer Kunst. 
 1') Eastlake Materials S. 126. 
        

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