Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965477
Mosaik. 
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führten Darstellung des jüngsten Gerichts. Wahrscheinlich waren 
die Urheber dieser Arbeiten hier wie dort herbeigerufene Fremde. 
Bei den Werken des Ordens liegt es nahe, an Sicilien zu denken, 
mit dem der Orden in engster Verbindung stand, und WO diese 
auch in Italien jetzt weniger geübte Technik seit Jahrhunderten 
einheimisch war, und für Prag darf man annehmen, dass Karl IV, 
der einen Baumeister aus Frankreich und sogar Teppichweber 
aus dem muhamlnedanischen Orient herbeirief k), der wie der 
Styl gewisser weiter unten zu erwähnenden Wandgemälde ver- 
muthen lässt, italienische Maler in seinen Diensten hatte, auch 
bei dieser seiner Prachtliebe zusagenden 'l'echnik sich nach erfah- 
renen Arbeitern, die in Deutschland nicht existirten, umgesehen 
haben wird. Es ist sogar nicht unwahrscheinlich, dass erst jene 
preussischen Mosaiken ihn veranlassten, jene dort nicht mehr 
gebrauchten Fremden bei sich zu beschäftigenw). Bei der Ma- 
rienburger Jungfrau hatte der Mosaikarbeiter sich unbedingt der 
früherer) Färbung anzuschliesscn, auch verdankt sie ihre VVir- 
kung mehr ihrer kolossalen Grösse und der plastischen Form, 
als der Farbe; auch bei den beiden flachen Mosaiken aber ist die 
Ausführung zu allgemein und roh gehalten, als dass man erkennen 
könnte, ob die Zeichnung von italienischen oder einheimischen 
Künstlern herrühre, welches letzte übrigens auch mit der Aus- 
führung durch fremde Musaicisten sehr Wohl vereinbar wäre. 
Bemerkenswerth ist daher an dieser musivischen Episode haupt- 
sächlich , (lass sie so rasch und spurlos vorübergegangen ist; 
olfenbar- sagte der kalte Glanz dieser Technik dem nordischen 
Gefühle nicht zu, welches entweder die leichte Poesie der durch- 
sichtigen Glasgemältie oder die Gemüthstiefe wirklicher Malerei 
verlangte. 
e) Fiorillo 1, 133. 
H] Der böhmische Chronist Benessius von Weitmil erwähnt jenes musivi- 
schen Werkes zweimal, bei seinem Anfange 1370 und bei der Vollendung 1371 
bei Pelzel und Dobrowsky Script. rer. Bohem. Tom. II, pag. 107), beide Male 
ohne die Arbeiter zu nennen, wohl aber mit Bezeichnung des Werkes als eines 
nach griechischer Sitte gefertigten. "Eodem tempore fecit Dom. Imp. fieri 
et depingi supra porticum ecclesiae Pragensis de opere vitreo more graeco, 
de opere pulcro et magis sumtuoso." Das zweite Mal nennt er es pictura so- 
lemnis de opere moysiaco more Graecorum, rühmt aber hauptsächlich daran 
nur, dass das Bild, je mehr vom Regen abgewaschen, desto klarer werde.
        

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