Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965468
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Miniaturmalerei. 
tuschten F ederzeichmmgen forderten Summen, die schon ein 
kleines Privatvermögen ausmachtenöt). 
Unter den Nebenzweigen malerischer Technik, welche durch 
den steigenden Luxus und durch die technischen Fortschritte ge- 
fördert Wurden, ist vorzugsweise die Glasmalerei zu nennen, 
welche in dieser Epoche ihre höchste Vollendung erreichte und 
so beliebt war, dass die Mehrzahl der auf uns gekommenen ge- 
malten Fenster ihr angehören. Viele darunter sind von höchster 
Schönheit und liefern durch die feine sinnreiche Anordnung und 
durch den Schwung der Linie den Beweis, dass wenigstens die 
V orzeichmingen von bedeutenden Meistern ausgingen. Indessen 
konnte diese Gattung in der Tiefe des Seelenausdrucks nicht mit 
der Tafelmalerei, in naturalistischen Fortschritten nicht mit den 
Miniaturen wetteifern und hat ihren Werth hauptsächlich durch 
architektonisch-musikalische Farbenwirkung. Sie war eine Vor- 
schule für die künftigen Coloristen und eine Nachwirkung des 
architektonischen Gefühls der vorigen Epoche. Abgesehen von 
den eigentlichen Glasgemälden diente (lann diese 'l'echnik auch 
sonst der Neigung für das Glänzende und Prachtvolle, indem man 
theils decorative Arbeiten, z. B. Gemälderahmen, mit farbigen oder 
einer glänzenden Folie aufgelegten Glasstücken wie mit Edel- 
steinen auslegte, theils und besonders aber sich dieses Mittels 
bediente, um an den farbigen Statuen den Schein eines kostbaren 
Schmuckes oder golddurchwirkter Gewänder hervorzubringen. 
Man näherte sich dadurch der Kunst des Mosaiks und in der That 
finden wir auch diese, in unseren nordischen Ländern seit den 
Tagen Karls des Grossen völlig vergessene Technik, freilich nur 
in Deutschland, und auch hier nur in drei vereinzelten, und ziem- 
lich gleichzeitigen Fällen angewendet. Zwei Male im Ordens- 
lande Preussen und zwar in der bereits erwähnten, in ihrer Art 
einzigen grossen Reliefgestalt der Jungfrau mit dem Kinde an 
der Schlosskapelle zu Marienburg und in einem Flachbilde des 
Heilandes am Dome zu Marienwerder, das dritte Mal am Dome 
zu Prag, in einer im Jahre 1370 auf Befehl Karls IV. ausge- 
ß) Man kann mit Waagen a. a. O. S. 337 annehmen, dass es dieser Codex 
sei, an welchem nach einer Notiz im Kataloge zwei Brüder Manuel mit einem 
Tagelohn von 20 sols (etwa 9 francs) vier Jahre lang arbeiteten, so dass die 
Malerei allein etwa 13,000 francs kostete.
        

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