Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965425
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Miniaturmalerei. 
eines fruchtbaren, erfinderischen Talentes, obgleich es auch bei 
einem solchen nicht ausbleiben konnte, dass sich für die stereotyp 
wiederkehrenden Aeusserungen ritterlicher Gewandtheit, Höflich- 
keit, Courtoisie auch wiederkehrende leicht hingeworfene und 
conventionelle Federzüge ausbildeten. Indessen nöthigte doch die 
Beziehung auf mannigfache I-Iergänge, Verhältnisse und Loca- 
litäten, wie sie in diesen Büchern und besonders in den Reise- 
beschreibungen vorkamen, zu einem tieferen Eingehen auf psy- 
chologische Motive und auf die Mannigfaltigkeit der Dinge. Wir 
bemerken daher ein freilich langsames Steigen der Naturwahr- 
heit. Die Körperbildung bei Menschen und Thieren bleibt zwar 
im Wesentlichen dieselbe, Bäume behalten die typische Form 
und die Hintergründe sind tapetenartig oder einfarbig; aber an 
naiven Zügen des Ausdrucks, an Andeutungen von allerlei Zu" 
fälligkeiten der Waffen, Möbeln, Stoffe ist kein Mangel, Zimmer 
und Gebäude zeigen Versuche perspectivischer Zeichnung, bei 
I-lergängen im Freien werden zur Verdeutlichung der Situation 
Berge, Bäume, Häuser, zuweilen auch Wölkchen oder die Ab- 
stufungen des Lichtes am Himmel hinzugefügt, aber auch dies 
nur als Hülfsmittel für die Phantasie, nicht mit dem Anspruch 
auf Naturwahrheit, so dass der Maler, wenn er etwa mit blauen 
und rothen Hintergründen wechselt, keinesweges jenen Himmels- 
erscheinungen zu Liebe von seiner Ordnung abweicht, sondern 
sie ganz harmlos auf dem rothen Grunde, wenn denselben die 
Reihe trifft, anbringt. Der Naturalismus ist überhaupt hier noch 
ein sehr bedingter; allgemeine Schönheitsregeln, die Weichheit 
und gefällige Verschmelzung der Farbe, Synnnetrie und Ab- 
wechselung sind maassgebend, Luid die Andeutungen gewisser 
natürlicher Erscheinungen treten auf dieser Grundlage nur gleich- 
sam spielend hervor und erregen die Phantasie vielleicht um so 
mehr, weil sie nicht als Bestandtheile eines durchgeführten Na- 
turbildes erscheinen.  
Anders gestaltete es sich bei den Andachtsbüchern. Bei 
den wohlbekannten Hergängen der heiligen Geschichte galt es 
nur, die Erinnerung zu erregen und den heiligen Gestalten durch 
gediegene Ausführung und möglichst prachtvolle Ausstattung 
einen Nimbus zu verleihen. Die Kunst diente hier mehr einem
        

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