Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965371
Ihre 
Aufgaben. 
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dem Geistlichen Geziemendes zurückgewiesen hatten, wo alle 
prosaische Literatur lateinisch und die Poesie mehr zu münd- 
lichem Vortrage als zu stillem Lesen bestimmt war, liegt jetzt 
schon weit hinter uns. Ritt-erliche Schriftsteller, welche die Zeit- 
begebenheiten mit so gesundem Urtheile einfach vorzutragen 
wussten, wie in der vorigen Epoche Villehardouin und Joinville, 
waren zwar jetzt eher seltener, und einzelne Helden, welche ihren 
Namen nicht schreiben konnten, kamen auch jetzt noch vor; aber 
eine gewisse mittlere Bildung war mehr verbreitet, und schon die 
Menge und der grosse Umfang der vielen prosaischen und poe- 
tischen Werke in der Nationalsprache, Welche jetzt geschrieben 
wurden, beweist einen ausgedehnten Kreis eifriger Leser. Ohne 
Zweifel gingen die ritterlichen Damen in der Einsamkeit ihres 
Burglebens den Männern auch jetzt wie früher mit gutem Bei- 
spiele voran, was um so wirksamer sein musste, als sie jetzt 
mehr wie je tonangebend waren und die Romane geradezu als 
empfehlenswerthe Lehrbücher feiner Lebensart betrachteten. Man 
fing daher an, in den ritterlichen Schlössern neben der Bibel und 
den Andachtsbüchern auch den Besitz mehrerer solcher neuen 
Werke zu begehren und bald gab es, Wenigstens in Frankreich, 
einzelne solcher Burgen, welche Wirklich eine nach damaligen 
Preisen kostbare Bibliothek besassenk). Gerade für diese Klasse 
von Lesern und bei ihrer Unfähigkeit, sich lange mit den todten 
Buchstaben zu beschäftigen, bedurften aber die Manuscripte noth- 
wendig der Miniaturen. Die vermehrte Nachfrage bewirkte dann, 
dass die Anfertigung solcher Bücher von städtischen Arbeitern, 
mit denen die Klöster selten noch concirrrirten, fast fabrikmässig 
mit mögliehstei- Theilung der Arbeit betrieben wurde. Es be- 
standen, wie wir aus Urkunden ersehen, drei verschiedene Ge- 
werbe, welche dabei mitwirkten, das der Scriptoren, welche 
blos den Text fortlaufend und ohne Zweifel ungeachtet der 
 Im Schlosse 1a Fette im Departement der unteren Seine, einem blos 
ritterbürtigen Geschlechte gehörig, befand sich um 1384 eine Bibliothek von 
wenigstens 46 Büchern, wie dies das als Deckel eines Rechnungsbuches des 
genannten Jahres benutzte Fragment des Kataloges ergiebt, welcher sogar eine 
Notiz über das Verleihen einzelner Bücher enthält und also beweist, dass sie 
kein todter Schatz waren. Biblioth. de l'6c01e des Chartes, Serie III, t. 3, p. 559.
        

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