Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965362
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Miniaturen. 
beiden ziemlich gleichzeitigen, dem Ende des vierzehnten und 
dem Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts zuzuschreibenden 
Fällen besteht die Arbeit in einfachen, in der flüssigen Linienfüh- 
rung dieser Epoche gezeichneten, leicht colorirten Umrissen, 
welche indessen ein günstiges Zeugniss für die grosse Praxis 
und Geschicklichkeit dieser Maler, die gewiss nicht ersten Ranges 
Waren, und zugleich für den Geschmack der Besitzer ablegen, 
welche einen solchen fast farblosen Wandschmuck geistigen In- 
halts einem derben Anstrich in glänzender Farbe vorzogen. Ohne 
Zweifel werden die Wandgemälde in den Schlössern der Kö- 
nige von Frankreich und England, von denen wir später zu 
sprechen haben, prachtvoller, mit Gold und leuchtenden Farben 
ausgeführt, vielleicht auch von anmuthigerem Schwunge dei- 
Linie gewesen sein, aber im Wesentlichen waren sie doch, Wie 
die Beschreibungen vermuthen lassen und einzelne Ueberreste 
bestätigen, desselben Geistes, mehr auf Zierlichkeit und leichten 
Reiz, als auf Tiefe der Empfindung gerichtet, und gewiss nicht 
den Tafelmalereien gleichzustellen. Auch unter den wenigen 
Ueberresten kirchlicher Wandmalerei, aus der zweiten Hälfte 
dieser Epoche ist keine ein Kunstwerk, welches auf die ge- 
sammte Knnstentwickelung in geistiger oder technischer Bezie- 
hung einen erheblichen Einfluss gehabt haben dürfte, so dass 
diese einst vornehmste Gattung offenbar von der jüngeren 
Schwester überflügelt War. 
Dagegen erhielt sich die Miniaturmalerei nicht nur auf 
ihrer früheren Höhe, sondern stieg noch bedeutend, und trug, 
wenn sie auch nicht mehr wie bisher die ausschliessliche Schule 
der Malerei bildete, doch Wesentlich zur weiteren Förderung der- 
selben bei. Auch jetzt noch, wie früher, unterscheiden sich die 
Andachtsbücher, bei denen es mehr auf Pracht und Luxus ankam, 
von den historischen oder poetischen Werken, wo die Illustration 
neue, wenig oder doch nicht so allgemein bekannte Gegenstände 
erläutern und versinnlichen sollte, indessen wurden jetzt die An- 
forderungen in beiden Beziehungen gewaltig gesteigert. Nament- 
lich wuchs die Zahl der zu illustrirenden Werke der zweiten 
Klasse von Tage zu Tage. Die Zeiten, WO die Ritter die Zumu- 
thung der Buchstabenkenntuiss als etwas Unmännliches, nur
        

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