Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965359
Weltliche 
Gegenstände. 
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rungen so reichen Gedichte WVandnlalereien als die gewöhnliche 
Zierde einer gut eingerichteten ritterlichen Blug zu betrachten; 
wiederholt erwähnt er Gemächer, die mit „alten Geschichten" 
bemalt, keine Lady sei, sagt er einmal ausdrücklich, die nicht 
Bilder von Reitern, Falken und Hunden an der Wand habe  
In England scheint nichts dieser Art erhalten, aber in Deutsch- 
land besitzen wir noch zwei Wohlerhaltene Werke, welche bei 
der grossen Veränderlichkeit der Wohngemächer als Beweis der 
allgemeinen Verbreitung solches Schmuckes dienen können. Das 
Schloss Runkelstein in Tyrol ist noch völlig mit Wandmalereien 
bedeckt, Welche theils Darstellungen von allerlei ritterlicher 
Kurzweil, Tanz, Ballspiel, Jagd, theils eine Art Encyklopädie 
adlichen Wissens enthalten, die freien Künste, die merkwürdig- 
sten Gestalten damaliger Geschichte und Sage, immer zu dreien, 
neben den bekannten guten Heiden, Juden und Christen, die drei 
besten Ritter, Parcival, Gawan und Iwein, die drei besten Liebes- 
paare und die drei besten Schwerter, die drei stärksten Riesen 
und die drei ungeheuren Weiber, dann folgt in 11 Bildern, blos in 
grüner Farbe ausgeführt, die Geschichte von Tristan und Isolt, 
endlich noch in 9 Fresken die eines anderen Romans, von Garel 
im blühenden  Es sind also genau wie bei Chaucer, 
die „alten Geschichten" und die Lieblingsbeschäftigungen des 
Adels. Das zweite Beispiel, nicht. in einem ritterlichen Schlosse, 
sondern in einem Patricierhause zu Ulm, dem Ehinger Hofe, und 
hier nur in einem Saale erhalten, ist ziemlich dunkeln allegori- 
schen Inhalts, nicht ohne Humor, so dass die ritterliche Eleganz 
hier mit bürgerlicher Pedanterie gemischt erscheint 323). Ill 
w) S. die betreffenden Verse aus den Canterbury tales bei Fiorillo Gesch. 
der zeichn. Künste in England, S. 118. 
M] Fresken des Schlosses Runkelstein bei Bozen, gezeichnet von Ignaz 
Seelos, erklärt von Dr. Zingerle, herausgegeben von dem Ferdinandeum zu 
Innsbruck, 1859. Vergl. Mitth. der k. k. Central-Comm. 11,120 und V, 59.  
Auch im Schlosse (dem älteren Kelleramtsgebäude) zu Meran sind Ueberreste 
von Fresken des vierzehnten Jahrhunderts, heilige und scherzhafte Gegenstände 
enthaltend und durch deutsche Verse erklärt. Vergl. dieselben Mitth. II, 324. 
m") Grüneisen und Manch, Ulms Kunstleben im Mittelalter, S. 10. Die 
Gruppe, von der dort eine Abbildung gegeben ist, verdankt diesen Vorzug 
ihrer Abrundung, scheint aber von geringerer Hand wie die grösseren Gestalten 
an den Hauptwänden. 
        

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