Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965349
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Wandmalerei. 
immer aus mehreren, selbst die kleineren, für den Privatbesitz 
bestellten, aus zwei oder drei Tafeln, Welche zusammengelegt 
sich deckten und so für den Transport und für das Aufstellen 
geeignet waren. Es Waren eben tragbare Altäre. Noch viel mehr 
bildeten dann die kirchlichen Altäre eine vollständige Innenarchi- 
tektur von rhythmischen Verhältnissen ihrer Theile, der mittlere 
grösser, die auf beiden Seiten kleiner und untergeordnet. Daraus 
ergaben sich dann Folgerungen für Form und Inhalt dieser 
Theile, welche Wir stets festgehalten finden, der mittlere Raum 
enthält die Hauptpersonen, also die hier besonders gefeierten Hei- 
ligen oder Hergänge in grösserer und prägnanterer Ausführung, 
in Holzsculptur oder doch in mehr statuarischer Haltung, 
während die Flügelbilder gewissermassen das Gefolge, nämlich 
andere an dieser Stelle weniger gefeierte Heilige, oder den Com- 
mentar des Mittelstückes geben, also wenn dies aus einzelnen 
Figuren besteht, ihre Geschichte, wenn schon selbst aus einem 
geschichtlichen Hergange das Vorher und Nachher. Dies letzte 
ist aber eine Ausnahme und in der Regel bringt es der Begriff 
des Stehens, den man mit dem Tafelbilde verband, mit sich, dass 
auch die einzelnen Figuren wie Standbilder behandelt sind und 
mit statuarischer Haltung in architektonisch begränzten Feldern 
stehen, deren Einrahmung meistens nicht gemalt, sondern in Holz 
oder Gyps reliefartig ausgeführt ist, so dass das ganze Bild wie 
eine Reihe von Nischen erscheint. Während also die Plastik maleri- 
sche Motive aufnahm und sich gern in Farben zeigte, eignete die 
Malerei sich plastische Elemente an, beide Künste näherten sich 
und gingen fast in einander über. Aber die Malerei war es, 
welche bei dieser Gemeinsamkeit gewann, weil die ganze 'l'en_ 
denz eine malerische, mehr auf Seelenausdruck und Tiefe der 
Empfindung, als auf die gleichmiissige Schönheit ruhiger Er- 
scheinung gerichtete War. 
Während die Tafelmalerei so eine tiefe, noch ungekannte 
religiöse Weihe erlangt, tritt die Wandmalerei entschieden 
zurück. In den Kirchen finden wir sie selten, dagegen wurde 
sie in den Schlössern und Häusern, und zwar nicht blos wie 
in der vorigen Epoche der Könige, sondern selbst der Ritter 
häufig verwendet. Chaucer scheint in seinem an Sittenschilde-
        

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