Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965334
Farbenmischung. 
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Aufgaben nicht geeignet waren  Bei 'l'afelmalereien diente es 
daher nur zu F irnissen, Während man zur Ausführung selbst 
andere Bindemittel nach verschiedenen Recepten brauchte, die als 
Geheimnisse behandelt wurden und deren Mischung und Ver- 
bindung mit dem Firnisse auch heute noch die Ermittelung er- 
schwert. Die Italiener bedienten sich dazu hauptsächlich des 
Eigelbs und der Feigenmilch und trugen, da solche Farben 
schnell trockneten, die Schattirung in Strichlagen auf; in den 
nordischen Ländern brauchte man Honig, auch wohl Wein und 
andere uns unbekannte Stoffe und erlangte so eine flüssigere, für 
zarte Behandlung und weiches Vertreiben geeignete Farbe. Man 
verstand in unseren nordischen Ländern, besonders in Deutsch- 
land und England, sehr wohl auf Leinwand zu malen; dies ge- 
schah selbst in so grossem Maassstabe, dass man solche Male- 
reien statt der bisher dazu üblichen kostbaren Teppiche als 
Wandbekleidung brauchteßt). Allein dies gab nur flüchtige und 
wenig haltbare Arbeiten, und alle Werke von grösseren An- 
sprüchen Wurden langsam und sorgfältig auf Holztafeln mit wohl 
präparirtem Kreidegruntle ausgeführt. Die Gegenstände dieser 
Malerei Waren fast ausschliesslich religiöse; selbstständige Por- 
traits wurden äusserst selten verlangt, und andere weltliche Ge- 
genstände, die man sonst keinesweges verschmähete und nicht 
blos in Miniaturen, sondern auch an den Wänden gern betrach- 
tete, konnte man sich nicht in so feierlicher, sondern nur in leich- 
ter, mehr phantastischer Behandlung denken. Ueberhaupt war 
man auf den Gedanken, selbstständige 'l'afelgemälde als Zierde 
der Zimmer zu gebrauchen, noch nicht gekommen; man kannte 
nur solchen malerischen Wandschmuck, der sich wie Wand- 
malereien oder Teppiche an die Architektur anschloss oder den 
Raum ganz füllte; das Gefühl war noch überwiegend architekto- 
nisch. Die Tafelgemälde waren demgemäss nicht bestimmt zu 
hängen, sondern zu stehen, ein selbstständiges Möbel zu bilden, 
und bestanden deshalb selten aus einer einzelnen, sondern fast 
a] Die gründlichsten Forschungen über die Technik des Mittelalters und 
entscheidende Aufklärung über die vielbesproehene Frage der Eründung der 
Oelmalerei giebt Eastlake, Materials for a. history of oil painting. London 1847. 
i") Beweise für diese Angaben bei Eastlake a. a. O. S. 90 ff.
        

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