Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965283
388 
Plastik. 
Metalls gelassen sind, während der Grund rings herum vertieft 
und farbig gefüllt warst). Auf dem Continent bestehen diese 
Gräber meist aus einer grossen, das ganze Grab bcdeckenden 
Platte, auf Welcher der oder die Bestattetentlt?) in ganzer lebens- 
grosser Gestalt unter einer reichen gothischen Architektur liegen, 
die mit vielen Statuetten, und innerhalb welcher der Grund mit 
Arabesken und Teppichmustern verziert ist, so dass keine Stelle 
leer und bedeutungslos bleibt. In England dagegen, wo solche 
Messinggräber (brasses) vom vierzehnten bis zum sechszehnten 
und selbst siebeuzehnten Jahrhundert sehr beliebt wareuwt), 
sind die einzelnen Theile, also die Figur des Verstorbenen, die 
etwanigen N ebeniigureir, Wappen, Spruchbänder, die Architek- 
tur, als einzelne Messingstücke geschnitten und gravirt und so in 
eine Steinplatte eingelegt. Man weiss, dass in England solche Ta- 
feln von Messing erst seit dem Jahre 1639 fabricirt sind, während 
man sie bis dahin unter dem Namen „Kölnischcr Platten" (Cullen 
plates) von dem Festlande, also wohl ursprünglich aus Deutsch- 
land, später vielleicht aus Flandern bezog-f), und dies mochte 
s) Hierauf wird der Unterschied zwischen Messingschnitt und Messing- 
stich, welchen Dr. Lisch im D. K. B1. 1851, S. 21 aufstellt, zu reduciren sein, 
Vergl. über die durch diese Behauptung hervorgerufene Controverse Kugler k1_ 
Sehr. I, 786, II, G01, 631, und Dr. Lisch im D. K. B1. 1852, S. 366. 
im] Es scheint fast, dass man aus ökonomischen Gründen solche Platten 
gern für zwei Personen brauchte. Im Dome zu Schwerin hat nicht blos der 
1347 verstorbene Bischof seinen Vorgänger (T 1339), sondern auch der 1375 
verstorbene einen schon 1314 verschiedenen, der freilich aus demselben Hause 
(von Bülow] war, aufgenommen, und im Dome zu Lübeck finden wir wieder 
zwei Bischöfe von 1317 und 1350 zusammen. 
au) Wegen ihrer Wichtigkeit für Kostümkunde und Genealogie sind sie 
auch ein Lieblingsgegenstand der brittischen Archäologen geworden und zahl- 
reich publicirt. So Cotman, Sepulchral brasses in Norfolk and Suffolk, 1839, 
2 Vol. gr. 4.  Franklin Hudson, the brasses of Northamptonshire 1852.  
Charles Boutell, Monumental brasses and slaps, 1847, und Derselbe, the mo- 
numental brasses of England, 1849. Eine möglichst vollständige Üebersicht 
giebt das Manual of mon. brasses by the Oxford arch. Society. Endlich Wal- 
ler's Sepulchral brasses.   
i") Bemerkenswerth ist eine von Lisch im D. K. B1. 1852, S. 370 mitge- 
theilte Stelle aus dem Testamente eines Lübecker Rathsherrn vom J. 1365    
poni facient super meum sepulcrum unum Flamingicum aurioalcium flgura- 
tionibus bene factum lapidern funeralem. Dass auch die "gute Zeichnung",
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.