Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965191
Goldschmiedekunst. 
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In der Goldschmiedekunst trat in dieser Epoche inso- 
fern eine nicht unbedeutende Veränderung ein, als sie sich endlich 
entschloss, die romanischen Formen, welche sie bisher noch theil- 
Weise beibehalten hatte, völlig aufzugeben und der allgemeinen 
Vorliebe für gothische Architektur zu huldigen. Man kann nicht 
behaupten, dass dies unbedingt zu ihrem Vortheil ausfiel. Der 
romanische Styl ist allgemeiner, auf jedes Material gleich an- 
wendbar, einfacher in der Zeichnung und doch wieder des gröss- 
ten Reichthums fähig; der gothische trägt dagegen das entschie- 
dene Gepräge des Steinbaues und giebt kein anderes Princip der 
Formbildung, als das architektonischer Construction. Er be- 
schränkte daher die Freiheit des Goldarbeiters, entzog ihm eine 
Menge decorativer Mittel und liess ihm nur die Nachahmung ar- 
chitektonischer Details. Grössere Werke, besonders das Kirchen- 
geräth, nahmen daher nun so viel wie möglich die Gestalt gothi- 
scher Gebäude an; die grossen Reliquienkisten wurden zu Kathe- 
dralen in Miniatur mit Kreuz- und Seitenschiifen, kleinere Ge- 
räthe des geringen Umfanges halber meist thurmartig gebildet, 
aber auch sie immer so viel wie möglich von dem leichten Strebe- 
werk freistehender, mit Fialen bekrönter, durch Bögen mit dem 
Hauptkörper des Gefässes verbundener Pfeiler begleitet und mit 
Nachahmungen des Fenstermaasstiverks verziert. Da man den 
Reichthum der Details, der in der Architektur selbst auf grosse 
Dimensionen vertheilt ist, nicht aufgeben wollte, hatte die Kunst 
des Goldschmidts Gelegenheit, sich in überaus feiner und minu- 
tiöser Behandlung zu zeigen, die dann freilich aber auch viele 
scharfe Ecken und dünne Spitzen gab und den Sinn im Gegen- 
satze zu der einfachen Rundung und der vollen geschlossenen 
Form romanischer Gefässe ausschliesslich an das Künstliche, 
Complicirte und Durchbrochene gewöhnte. Diese Richtung erhielt 
eine Unterstützung dadurch, dass sie für eine Gattung kirchlicher 
Gefässe, welche erst jetzt in Aufnahme kam und ein Gegenstand 
von besonderer VVichtigkeit wurde, höchst passend War, ilämlich 
für die Monstranzen. Man darf annehmen, dass sie erst einige 
Zeit nach dem Jahre 131i üblich wurden, wo Clemens V. das 
bereits im dreizehnten Jahrhundert in einigen Gegenden gefeierte, 
von Urban IV. genehmigte Frohnleichnamsfest für die ganze 1a-
        

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