Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965168
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Sculptur. 
Epoche trotz ihrer typischen Einförmigkeit und mangelhaften 
Körperkenntiliss so sehr, dass wir nicht nur ihre Intentionen 
vollkommen verstehen, sondern selbst anerkennen müssen, dass 
Seelenreinheit und Milde, inbrünstige Andacht und Liebeswärme, 
Demuth und Unschuld nicht leicht eindringlicher und liebenswer- 
ther dargestellt sind, als bei ihnen. Sie gaben, was sie besassen 
und was andere weiter geförderte Zeiten ihnen neidlos zuge- 
stehen müssen, die Wärme des ersten Eindruckes, die Frische 
jugendlicher Empfindung; sie vergegenwärtigen uns Zustände, in 
die wir uns träumeud versetzen möchten, wo das Gemüth mit 
kindlicher Gläubigkeit lllld freier Liebe an dem Uebersinnlichen 
hängt und, noch nicht durch Erfahrung abgehärtet und erkaltet, 
sich ganz ohne Rückhalt hingiebt. Vermöge dieser liebeswarmen 
Hingebungsfähigkeit ist denn auch diese Kunst keinesweges 
weltfeindlich; sie möchte uns die Freuden des Himmels verge- 
genwärtigen, aber sie braucht dazu die Züge irdischer Anmuth. 
Daher bemerken wir trotz der idealen Richtung allmälige, aber 
stetige Fortschritte des Naturalistischen; die Zeichnung der 
Körper wird richtiger, der Ausdruck feiner, die Gewandbehand- 
lung lässt den Knochenbau deutlicher erkennen, eine Fülle naiver 
Wahrnehmungen tritt uns entgegen. Aber immer doch blieben 
es flüchtige Beobachtungen, die sich nur auf die herrschenden 
Ideen und auf Mittel für den Ausdruck derselben, niemals, auf 
objective Wahrheit bezogen. Auch erstreckten sie sich nicht 
weiter als auf die menschliche Gestalt; Thiere behielten die he- 
raldische, Bäume noch lange die pilzartige Form, an landschaft- 
lichen Zusammenhang dachte man noch nicht, die Gemälde haben 
durchweg den goldenen oder einfarbigen, Miniaturen den tape- 
tenartigen Hintergrund, _und erst am Ende der Epoche mehren 
sich die Andeutungen der Umgebungen oder des Himmels, und 
zwar auch da fast nur in den Miniaturen, während die höheren 
Zweige der Malerei noch immer an architektonisch strenger An- 
ordnung festhielten.  
 Gehen wir zur Betrachtung der einzelnen Künste über, so 
finden Wir zunächst die Sculptur, vermöge der erstalmenswer- 
then Fertigkeit des Meissels, welche die Steinmetzen im Dienste 
der Baukunst erworben hatten, in rastlosester 'l'hätigkeit. An
        

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