Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965127
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Plastik 
und 
Malerei. 
Rücksicht auf das Ganze arbeitet, so waren die Meister selbst- 
ständiger Bildwerke noch mehr auf ihre Werkstätte beschränkt, 
Wo ihnen der leitende Einfluss höher gebildeter Männer entging. 
Allerdings waren sie hier keinesweges vereinsamt; Meister und 
Gesellen arbeiteten nicht blos neben einander sondern an dem- 
selben Werke, und der Zusammenhang mit den Zunftgenossen 
war ein sehr enger. Allein dies war denn doch wieder ein zwei- 
deutiger Gewinn, indem es die Kunst völlig mit dem gemeinen 
Handwerke zusammenwarf. Die Plastik kam nicht blos an die 
Steinmetzen, bei denen sich durch den Einfluss der Architektur 
noch ein gewisses Stylgefühl erhielt, sondern auch an die Roth- 
giesser und Kupferschmiede, denen neben Kesseln und Brau- 
pfannen auch ein Mal ein künstlerisches Werk übertragen 
wurde; die Malerei wurde von den Sehilderern betrieben, die ihr 
Hauptverdienst in Wirthshaus- oder höchstens in Wappen- 
schildern und Fahnen fanden, und die überdies mit Glasern, 
Sattlern, 'l'eppiclnvirkern, Fahnenschneidern und selbst mit an- 
deren noch weniger verwandten Handwerkern zu einer Gilde 
verbunden waren.  
Die Wirkungen dieser zünftigen Stellung bedürfen kaum 
weiterer Ausführung. Eine Hinneigung zu blos mechanischem, 
auf Gelderwerb gerichteten Betriebe, zu äusserliehen Künsteleien, 
selbst zu einem gewissen Zuuftstolze, welcher höhere, geistige 
Leitung verschmähete, War davon untrennbar; auch konnte es 
nicht ausbleiben, dass bei deräusseren Gleichstellung der Meister 
sparsame und ungebildete Besteller sich an die mindestfordern- 
den, blos handwerksmässig arbeitenden wandten, und dass auch 
die besseren, Wahrhaft künstlerisch gestimmten im Drange der 
Concurrenz sich den Umständen fügten und neben W appen- 
schildern und ähnlicher Waare auch dem geringen Preise ent- 
sprechende Bilder in ihrer Werkstatt fertigen liessen. Eine 
Menge roher, selbst bei äusserer Pracht geistloser Machwerke 
kam daher in die Welt, von denen ungeachtet der sichtenden 
Wirkung der Jahrhunderte noch jetzt viele existiren. Aber den- 
noch war dieser gewerbliche Betrieb auf der gegenwärtigen Ent- 
Wiekelungsstufe nützlich und nöthig. Er machte es möglich, dem 
täglich wachsenden Bedürfnisse nach künstlerischer Arbeit zu
        

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