Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961617
Scholastik. 
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keit den Boden. Aber für den Augenblick traten doch gewisse 
nachtheilige Folgen hervor, die wir schon (leshalb näher bei- 
trachten müssen, Weil sie auf den Formensmn einwirkten. Die 
Vorliebe für den formellen logischen Schluss lähmte die Gabe 
der Beobachtung lllld Erfahrung, die ohnehin im Mittelalter so 
Wenig geübt war, noch mehr als bisher. Man glaubte SelbSt 
die alltäglichsten Wahrheiten nicht anders, als in der Form des 
Sclilusses aussprechen zu dürfen, verlor darüber die Zuverswllt 
unmittelbarer Gewissheit und Ueberzeugung, und gerietll in 91116 
hohle und kaum erträgliche Weitschweiügkeit, die nicht einmal 
durch Gründlichkeit entschädigte, sondern vielmehr auf vielen 
Punkten eine gefährliche Verwirrung der Begriffe erzeugte. Der 
logische Schluss setzt nnzweifelhafte Prämissen voraus, wie sie 
die 'l'heologie an den Glanbenslehren, die Mathematik an den 
Axiomen hat. Bei den Fragen des praktischen Lebens hätte man 
daher, wenn man nicht jedes Mal auf die tiefsten Gründe der 
Dinge zurückgehen wollte, sich auf allgemein anerkannte Wahr- 
heiten concreter Art stützen müssen. Diese besass man aber in 
dieser Anfangszeit empirischer Wissenschaft nur in so kleiner 
Zahl und von so allgemeinem Inhalte, dass sich darauf keine 
anwendbaren Schlüsse gründen liessen.  Auch wagte man noch 
nicht, sich auf die eigene Erfahrung zu berufen, sondern glaubte, 
wie man es bisher gethan, sich auf höhere Autoritäten stützen 
zu müssen. Die heilige Schrift und die Kirchenväter reichten 
aber für die moralischen, völkerrechtlichen, naturwissenschaft- 
lichen Fragen, mit denen man es jetzt zu thiin hatte, nicht aus, 
man wendete sich daher wieder mehr der beim ersten Auf- 
kommen der Scholastik vernachlässigten antiken Literatur zu, da 
nur sie so berühmte und anerkannte Namen gewährte, dass man 
sie in Gesellschaft der heiligen Schriftsteller citiren konnte. Das 
war denn nicht ohne Nutzen, sondern diente dazu, auf die Vor- 
züge der antiken Bildung aufmerksam zu machen uiid neue Ge- 
danken zu erwecken. Aber zunächst waren diese Anregungen 
doch völlig vereinzelt; man dachte nicht daran, die Vorzeit 1m 
Ganzen zu studiren, in ihren Geist einzudringen, sich ihrer 
Verschiedenheit und Verwandtschaft bewusst zu werdennnd so 
eine fruchtbare Anwendung vorzubereiten. Man las die alten
        

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