Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965073
Schlusswort. 
367 
Kenntniss zuzuschreiben ist. Aber doch bleibt es gewiss, dass 
der Reichthum und die Mannigfaltigkeit der Monumente wirklich 
grösser sind, als in jenen beiden Ländern, und dass dies nicht 
blos eine Folge äusserer Umstände, sondern auch des regeren 
Kunstsilnnes ist. Nur darüber wird man streiten können, ob die 
Richtung dieses Kunstsinnes der architektonischen Aufgabe voll- 
kommen entsprechend war. Während diese die ruhige, gleich- 
nlässige Entfaltung und innige Durchdringung der geistigen 
Kräfte fordert, macht sich hier bald der Verstand in nüchterner 
Zweekmässigkeit oder in spitzlilmdigen Grübeleien, bald wieder 
das Gefühl einseitig geltend. Der Gedanke des Ganzen ist nicht 
mehr wie die belebende Seele in allen Theilen gegenwärtig, die 
Ornamentik steht nicht mehr im engen unlösbaren Zusammen- 
hange mit der Construction, diese ist oft nackt und roh, während 
jene üppig nruchert, ja sogar sich ganz isolirt und rein decorative 
Architekturstücke hervortreibt. Der Sinn für die organische Ein- 
heit und Lebendigkeit, dieses höchste Erforderniss der Archi- 
tektur, ist nicht mehr vorherrschend. Aber doch sind wieder 
bald die Verhältnisse des Ganzen so glücklich gewählt, bald die 
Details des Sehmuckes mit so feinem Gefühl durchgeführt, dass 
man sagen muss, die Elemente des besten Styles sind noch alle 
vorhanden), sie überwiegen nur über die zusammenhaltende Kraft, 
sie haben die Tendenz sich zu lösen, und streben den anderen 
Künsten zu, in welchen sie sich leichter, freier, mehr im Ein- 
zelnen äussern können. Wir dürfen uns bereiten, sie dort zu 
betrachten. 
        

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