Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965038
Schloss 
Marienburg. 
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sehr möglich, dass diese Verbindung mit jenem halbgriechischeil 
Lande auch auf die Verwendung dieser in Deutschland fast uu- 
bekannten Technik führte, die sich überdies noch ein zweites Mal 
in Preussen, nämlich an dem gleichzeitigen Dome zu Marien- 
werder, an einem im Bogenfeltle eines Portals angebrachten fla- 
chen Christusbilde vorlindetä). 
Wenn auch die Burg vermöge dieser Versehönerungen 
würdig genug erschien, war sie doch für die fürstliche I-lofhal- 
tung des Hoclnneisters bald zu enge, und es entstanden daneben 
ausserhall) der Umschliessung neue Bauten, theils Wirthschafts- 
gebäude, Stallungen u. dgL, dann aber auch bald prachtvolle 
Festsäle und endlich eine geräumigere und würdigere Wohnung 
für den Hochmeister und die vornehmsten Gebietiger. Diese be- 
deutenden Räulne bilden das sogenannte Mittelschloss, wel- 
ches der Hauptgegenstantl der kostspieligen und im Ganzen ge- 
lungenen neuen Herstellung geworden ist. Es ist ein VVerk 
würdigster Pracht und gediegenster Ausführung, schön und 
würdig, man möchte sagen von der Sohle bis zum Scheitel, von 
den Kellern und Vorrathsräumen bis zu den Zinnen. Das edelste 
Schlosse von Marienburg als in einigen anderen preussischen Bauten finden 
(v. Quast a. a. O. S. 34], und allerdings an die orientalische, in die christliche 
Baukunst Siciliens üb6rg'egangene, dem übrigen Abendlande unbekannte Sitte 
solcher architektonisch behandelten Inschriften erinnern. Indessen ist doch zu 
erwägen, dass auch im Kloster Zinna bei Jüterbog (Puttrich, S. 28, Taf. 12) 
ohne allen Zusammenhang mit Sicilien solche aus einzelnen Backsteinen ge- 
bildete Inschriften vorkommen, wenn auch nur auf dem Fussboden, und dass 
überhaupt dieser Schmuck bei der Leichtigkeit des Formens und dem Mangel 
plastischer Ornamentation dem Ziegelbau eben so nahe, wie dem Steinbau fern 
lag. Auch die in Preussen häufigen spitzbogigen Mauerblenden und hohen 
Portalanlagen und die aus übereck gestellten Spitzbögen gebildeten Fenster- 
sockel können (wie Herr v. Quast geltend macht) mit Reminiscenzen der mau- 
risch-sieilianischen Architektur zusammenhängen; indessen ist es eben so 
denkbar, dass sie (wie so viele andere, in verschiedenen Gegenden immer 
wieder erfundene Formen, von denen er selbst S. 32 mehrere aufzählt) zufäl- 
lige, durch die Eigenthümlichkeit des Ziegelbaues herbeigeführte Aehnlich- 
keiten sind. 
"Ü Von dem einzigen ausserdem in Deutschland vorkommenden Mosaik, 
am Dome zu Prag, wird weiter unten bei der Schilderung der böhmischen 
Malerschule die Rede sein.
        

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