Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965021
362 
Deutsche 
Gothik. 
chen und nur im Schlosse zu Lochstedt ist ein einigermassen 
ähnliches, ebenfalls in die Kapelle führendes Thor. Die Kapelle 
selbst, die bisher nur zwei Gewölbquadrate enthielt und bis an 
die Ostmauer des Schlosses reichte, war für den Hochmeister 
und sein Kapitel zu klein; man verlängerte sie daher um fernere 
zwei Quadrate, und brachte unter dieser Verlängerung im Erd_ 
geschosse eine zweite Kapelle, die St. Annenkapelle, an, welche 
als hochmeisterliche Gruft diente. Die fein gebildeten Laubkapi- 
täle und Sterngewölbe der oberen Kapelle gleichen denen des 
Königsberger Domchores und werden daher ebenfalls unter dem 
Hochmeister Dietrich von Altenburg (1- 1341) ausgeführt sein. 
Dieser Zeit gehört denn auch der höchst merkwürdige Schmuck 
an, mit welchem im Aeusseren die mittlere Polygonseite des 
Chorschlusses prangt. In einer den Fenstern gleichen Nische 
ist nämlich das Bild der Jungfrau, '26 F uss hoch, in hohem Re- 
lief, und mit Glasmosaik farbig ausgelegt, auf Goldgrund enge- 
bracht. Abgesehen von einzelnen Fehlern, namentlich der Kürze 
des Arms, ist die kolossale Gestalt meisterhaft gebildet, das 
Antlitz von edelstem Ernst, der Faltenwurf in einfachen Massen, 
die Farbe sehr harmonisch, das Ganze für die VVirkung auf das 
jenseits des Grabens entfernt stehende Volk vortrefflich berech- 
net, dem es die Himmelskönigin, die Schutzpatronin des Ordens 
und also des Landesherrn, wie in himmlischer Glorie strahlend, 
zeigte. Schon der Gedanke einer so grossen Reliefgestalt im 
Aeusseren ist völlig neu und ein Beweis der bewussten Kühn- 
heit, mit welcher der Orden auch bei seinen künstlerischen Unter- 
nehmungen verfuhr; noch ungewöhnlicher, ja einzig in seiner 
Art ist das Werk durch die musivische Auslegung plastischer 
Forme). Da der Orden grosse Besitzungen in Sieilien, sogar 
einen Praeceptor Siciliae hatte, der in Palermo residirte, und da 
auch sonst einige Details der preussischen Ordensbauten eine 
Verwandtschaft mit sicilianischer Architektur haben im) , ist es 
Ü Bei der Restauration der Statue hat man unter dem Mosaik einen far- 
bigen Stucküberzug gefunden, so dass die musivische Auslegung erst Später 
hinzugefügt zu sein scheint. v. Quast a. a. 0. S. 67. 
9') Dahin gehören namentlich die Inschriftenfriese, welche, aus einzelnen 
in Thon gebrannten Majuskelbuchstaben zusammengesetzt, sich sowohl im
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.