Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965017
Schloss 
lNIarienburg. 
361 
kostspielige und sorgfältige Herstellung aus dem Wuste jahr- 
hnndertelanger Misshandlung grossentheils Wieder erstanden ist, 
die Perle aller mittelalterlichen Schlossbauten und das charakteri- 
stische Denkmal der edlen, ernsten Ritterlichkeit des deutschen 
Ordens. Um 1280 als eine gewöhnliche Burg begonnen, 1309 
zur Residenz des nun nach Preussen verlegten Hochmeisterthnms 
bestimmt, verdankt sie wie die meisten Schlösser ihre Einrich- 
tung nicht einem einmaligen Plane, sondern allmähligen Erweite- 
rungen. Dies gilt selbst von dem ältesten der drei Theile des 
Schlosses, dem Hochschlosse, welches, ein quadratischer Bau, 
auf den Ecken von Thürmen flankirt, von einem breiten Graben 
umschlossen, im inneren Hofe von doppelten Arcaden umgeben, 
nur in seinem nördlichen Flügel vollendet War, als die veränderte 
Bestimmung des Gebäudes andere Einrichtungen nöthig machte. 
Ein fein profilirter und mit WVeinlanb geschmückter Rundbogen- 
fries St) zeigt zugleich die späte Beibehaltung der dem Ziegelbau 
zusagenden romanischen Formen und den Grad des Schmuckes, 
den auch die gewöhnlichen Burgen des Ordens erhielten. Die 
drei anderen Flügel nebst der daran anstossenden Schlosskirche 
wurden dann erst seit 1309 mit der dem hochmeisterlichen Sitze 
angemessenen grösseren Pracht ausgeführt, von Welcher trotz 
der unbarmherzigen Umgestaltung dieses Theiles zu einem Ma- 
gazin sich noch höchst bedeutende Reste erhalten haben. Dahin 
gehört zunächst ein äusseres, von der Vorburg in das Hoch- 
schloss führendes Portal, das sehr eigenthümlich von einem 
grossen Blendbogen umfasst ist, dann aber besonders die soge- 
nannte goldne Pforte, welche den Eingang in die Kapelle 
bildet, eines der edelsten Erzeugnisse des Ziegelbaues, reichge- 
gliedert, mit Laubwerk und Reliefs geschmückt, in der Weise 
des Steinbaues, aber züchtig und mit Bewusstsein der Schranken 
des Materials. Auch unter den Ordensbauten ist sie ohne Glei- 
die Restauration noch nicht begonnen war; Büsching's Beschreibung, 1823, ist 
nur mit Vorsicht brauchbar. Genaue scharfsinnige Untersuchungen über das 
Alter der einzelnen Theile, denen ich folge, hat endlich v. Quast in den Neuen 
Preuss. Fron-Blättern Bd. XI (1850) mitgetheilt, aber ohne Abbildungen. 
Ü Frick, Taf. XVIII; Essenwein, Norddeutschlands Backsteinbau, Taf. 
XV, Nro. 14.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.