Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-965006
360 
Deutsche 
Gothik. 
wie in den Hallenkirchen gewöhnlich, den ganzen Bau oder doch 
mehrere Schiffe umfasst, sondern dass jedes Schiff sein eigenes 
niedriges Dach hat. Einfach und schmucklos steigen daher die 
Mauern hoch hinauf, aus schmalen Wandpfeilern zwischen den 
breiteren, aber durch ihre gewaltige Höhe dennoch ebenfalls 
schlank erscheinenden Fenstern gebildet, am Fusse des Daches 
von Zinnen gekrönt, an den dreifachen Giebeln der Chor- und 
Kreuzseiten mit Stabwerk verziert, an allen Ecken von kleinen 
achtseitigen, in scharfer Spitze aufsehiessenden Thürmchen flan- 
kirt, während im Westen der einzige Thurm in wenig verjüng- 
ten Stockwerken sich langsam und schwer erhebt und die Be- 
deutung der grossen, weithin gelagerten Kirche gleichsam in ein 
kurzes Wort zusammenfasst. Es ist merkwürdig, wie dieser 
Bau, obgleich das Werk einer handeltreibenden, schon damals 
dem Orden nicht unbedingt ergebenen Bürgerschaft den kriege- 
rischen Charakter der preussischen Schlossbauten beibehalten 
hat. Auch die anderen Kirchen der alten Stadt sind durchgängig 
mit hohen Seitenschiffen und geradem Chorschlusse, meist 
durch sehr reich verzierte Giebel schön geschmückt und auch 
sonst durch ihre malerische Erscheinung anziehend, aber ohne 
besondere architektonische Eigenthümlichkeit und grossentheils 
schon dem vorgerückten fünfzehnten Jahrhundert angehörend. 
Wichtiger sind die Schlösser, mit denen der Orden das 
Land bedeckte, und die noch jetzt trotz aller Unbill, welche die 
Kriege des fünfzehnten Jahrhunderts, polnische Starostenwirth- 
schaft, oder preussische Oekonomie durch Verwendung zu Ma- 
gazinen oder Strafanstalten ihnen zugefügt haben, in grosser 
Zahl von natürlichen Hügeln oder von hohen Unterbauten, wie 
von künstlichen Felsen mächtig über die Flächen hinschauen. 
Die Grundzüge der alten Anordnung in den Aussenmauern und 
dem gewöhnlich quadraten Hofraume, auch Wohl einzelne Säle 
sind in vielen dieser Schlösser erhalten oder doch erkennbar, vor 
Allem aber ist es wichtig, dass die herrlichste aller dieser Burgen, 
das hochmeisterliche Schloss zu Marienburg 21') durch eine 
4'] Die Literatur über Marienburg ist umfassend, aber keinesweges befrie- 
digend. Frick's grosses Kupferwerk, mit Text von Rabe und Levezow, giebt 
zwar vortreifliche, aber nicht ausreichende Zeichnungen, besonders da damals
        

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